Sie altern meist schnell: Zu wild geliebt, am Fell gerupft, im Matsch gewälzt und mit Spinat gefüttert, verliert ein normaler Teddy bald seine Schönheit. Nur der Besitzer weiß den Teddy dann richtig zu schätzen. Doch es gibt da noch eine andere Kategorie von Teddybären, deren Wert nicht unbedingt eine Liebesgeschichte ausmacht. Diese Teddys sind kein Spielzeug, sondern Sammlerstücke, die als sichere Geldanlage deutsche Wohnzimmer schmücken.

Immer mehr Bundesbürger kaufen alte Plüschbären. "Noch Anfang der achtziger Jahre hat man eher im stillen gesammelt", erinnert sich Christi Pistorius, die selbst 600 Bären und damit die größte Sammlung Deutschlands besitzt, "Teddys galten als primitives Sammelgebiet. Keiner gab zu, daß er Objekte fürs Gemüt kauft." Erst Mitte der achtziger Jahre gelang den betagten Bären der Durchbruch. "Heute kosten unbespielte Exemplare aus den zwanziger Jahren im Schnitt 10 000 Mark", weiß die Stuttgarter Expertin. Neben konservierter Schönheit und ausdrucksstarker Miene müssen die Tiere allerdings von edler Herkunft sein. Die Firma Steiff in Giengen gilt als erstklassige Referenz, aber auch Bären der Gebrüder Hermann aus Hirschaid sind bei deutschen Sammlern begehrt.

Die Deutschen haben ihre Liebe zu alten Teddys erst vor kurzem entdeckt. Amerikaner und Briten sammeln die deutschen Raritäten schon seit Jahrzehnten. Findige Sammler kauften bereits in den sechziger Jahren in der Bundesrepublik zu Billigstpreisen – und verkauften die Plüschantiquitäten in London oder New York mit hohen Spannen. In den Vereinigten Staaten gibt es mittlerweile Hunderte von Clubs, in denen die Sammler vereint ihrer Bärenliebe frönen. London ist das europäische Zentrum für den Teddyhandel: Auf einer Auktion bei Philips zahlte ein britischer Händler vor zwei Jahren für einen Steiff-Teddy von 1912 ohne Zögern 26 000 Mark. Das Auktionshaus Sotheby’s versteigerte vor drei Jahren einen Steiff-Bären Jahrgang 1926 gar für 168 000 Mark – "ein Preis, den selbst die neuen Besitzer inzwischen für übertrieben halten", meint Margit Drolshagen, Geschäftsführerin der Teddyfirma Gebrüder Hermann in Hirschfeld.

Jetzt steigen die Preise auch in Deutschland rapide, und die Hersteller nutzen diese Chance. Weniger betuchten Kunden bieten sie originalgetreue Nachbauten der "Urteddys" an. Die Firma Steiff, die seit 1902 Plüschbären produziert und als Erfinder des Teddys gilt, hatte diesen Markt frühzeitig erkannt. Schon vor zwölf Jahren bot sie als erste eine solche Bärenreplik an. Zum Preis von 175 Mark blieb der nachgebaute Bär zunächst in den Regalen der Händler liegen. Doch nur ein paar Jahre später gewann der neue "alte" Teddy die Gunst der Plüschbärjäger. Heute kostet er – originalverpackt und unberührt – auf Sammlerbörsen im Schnitt 2500 Mark.

Repliken bringen neue Kunden – und müssen nicht mit Importbären konkurrieren, die den deutschen Plüschtiermarkt überschwemmen. Seit 1980 hat es Steiff auf fast fünzig verschiedene Plüschtier-Repliken gebracht, vom Bären bis zur Fledermaus. In dieser Woche stellt Steiff auf der Spielwarenmesse in Nürnberg zwanzig neue Sammlerartikel in begrenzter Auflage vor, die, so Falk Thomas, Marketing- und Vertriebsleiter von Steiff, "am Ende der Messe wohl alle verkauft sein werden".

Über 5000 Sammler von alten Bären und Repliken gibt es nach brancheninternen Schätzungen derzeit in Deutschland. Noch sind sie nicht wie in Amerika in Vereinen organisiert, doch das wird sich ändern. Im nächsten April gründet Steiff den ersten deutschen Plüschtier-Sammler-Club mit Mitgliedsbeitrag, Clubzeitschrift und Clubbären. Dann, so hofft die Firma, bekomme man endlich eine Übersicht über den Sammlerkreis.

Auch die Konkurrenzfirma Gebrüder Hermann in Hirschaid läßt sich das Replikengeschäft nicht entgehen. 1987 produzierte das Unternehmen erstmals einen Teddy nach altem Vorbild und in einer limitierten Auflage von 3000 Stück. Damals kostete der Bär im Laden 140 Mark, heute ist er längst vergriffen und wird in Sammlerkreisen für 600 Mark gehandelt. Viele Repliken sind wie die alten Bären zur lukrativen Geldanlage geworden. Wohl dem also, der eine Vergangenheit hat und seine alten Modelle neu beleben kann. Rolf-Gerhard Hermann, Eigentümer von Hermann-Spielwaren in Coburg, kann zwar wie Steiff und die Gebrüder Hermann auf eine lange Bärentradition zurückblicken, doch bislang, so Hermann, fehlte es an alten Schnittmustern, die nach dem Krieg, als Hermann vom thüringischen Sonneberg nach Coburg wechselte, in der DDR geblieben waren. Erst nach der Öffnung der Grenze konnte der Unternehmer die alten Firmenarchive im Osten durchforsten. "Unersetzliche Unterlagen haben wir gefunden, zum Beispiel Originalkatalogblätter aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg", schwärmt der Unternehmer. Im vergangenen Jahr brachten die Coburger endlich ihre erste Plüschreplik heraus.