Das Baltikum ist mit dem Flugzeug nun gut zu erreichen, an Hotelbetten mangelt es jedoch.

Ein Eröffnungsflug jagt den nächsten. Fast täglich müssen die Offiziellen in den baltischen Hauptstädten antreten, um die Gäste auf einer neuen Verbindung von Westeuropa ins Baltikum zu begrüßen. Im Januar wurden an drei Tagen hintereinander neue Linien allein in die litauische Metropole Wilna eröffnet. Aus Zürich kam Swissair, aus Wien schwebte Austrian Airlines ein, und aus Kopenhagen landete der erste Jet der skandinavischen SAS. Alle drei Airlines, die sich in einer „Europäischen Qualitäts Allianz“ vereinigt haben, bieten sechs Flüge wöchentlich und von April an tägliche Verbindungen nach Wilna an.

Auch die Lufthansa wird vom 29. März an dreimal pro Woche von Frankfurt aus fliegen, neu im Flugplan der deutschen Gesellschaft ist von diesem Zeitpunkt an auch Tallinn. Die estnische Hauptstadt, auch unter dem Namen Reval bekannt, wird von SAS schon seit 1989 angeflogen. Die lettische Metropole Riga ist mit SAS von Kopenhagen aus seit 1990 zu erreichen, die Lufthansa fliegt seit vergangenem Herbst nach Riga, und zwar viermal wöchentlich von Frankfurt aus. Mit Turboprops bedient Hamburg Airlines zwei baltische Städte, und zwar von Berlin-Tempelhof aus mit Anschluß aus Hamburg Riga und einmal wöchentlich Wilna. Königsberg im ehemaligen Ostpreußen ist schon länger Wunschziel der Hamburger Gesellschaft im Linienverkehr, war bisher aber nur im Charterverkehr anzubieten.

Mit der einst größten Fluggesellschaft der Welt, der Aeroflot, werden Königsberg und auch Riga über den Hamburger Veranstalter Schnieder Reisen auch in diesem Sommer wieder per Charter zu erreichen sein.

Ansonsten hat Aeroflot im Baltikum nicht mehr das große Sagen. Mit Latwiias Awialiias und Est Air haben sich in Lettland und Estland Gesellschaften etabliert, die weiter mit der Aeroflot zusammenarbeiten wollen und sich auch deren Flugzeuge bedienen. Litauen dagegen hat sich zwar die auf seinem Staatsgebiet stationierten Aeroflot-Maschinen angeeignet, ist jedoch fleißig dabei, den Namen Aeroflot zu übermalen und die Nationalflagge aufzupinseln. Lithuanian Airlines demonstriert die Unabhängigkeit auch mit einer geleasten Boeing 737, die unter anderem dreimal pro Woche nach Frankfurt kommt. Den Ticketverkauf und die Reservierung erledigt Austrian Airlines.

Über mangelnde Flugverbindungen können die baltischen Staaten nicht mehr klagen. Was fehlt, sind jedoch ausreichende und dem westlichen Standard angepaßte Hotels. In den Hauptstädten gibt es jeweils nur ein paar Häuser, die sich westlichen Ansprüchen annähern. Auf rund 1000 Betten kann Tallinn verweisen, 1500 mögen es in Riga sein. In Wilna heißen die wichtigsten Häuser „Lietuva“, „Draugista“ und „Neringa“. Westliche Hotelketten sind dabei, ihre Positionen abzustecken. Doch ist man nicht bereit, wie der Oberbürgermeister von Wilna, Arunas Staras, ankündigt, dafür die schönsten Flecken der Stadt frei zu machen.

In die baltischen Staaten kann der Besucher ohne Visum einreisen, die Behörden erteilen es am Flughafen. Wer jedoch das Baltikum in Richtung Osten verläßt und weiter in ein Land der GUS will, benötigt dafür nach wie vor einen Sichtvermerk.

Klaus J. Scheidler