Von Otto Köhler

Der Intendant des ZDF, Dieter Stolte, hat Anspruch darauf, daß ich ihn um Entschuldigung bitte. Ich habe in der ZEIT ("Wellenräuber Biedenkopf") behauptet: "Stolte ist keinen Deut besser als Gruber." Der ZDF-Intendant hat dies als Kränkung empfunden, und ich sehe inzwischen ein, daß ich hier zu weit gegangen bin.

Tatsächlich entzieht sich der Intendant des Deutschlandfunks, Edmund Gruber, jedem Vergleich. Nachdem er zu Jahresbeginn mit klingenden Sondermeldungen die Erbeutung der sächsischen DS-Kultur-Frequenzen im Deutschlandfunk feiern ließ und in seiner Neujahrsbotschaft mit falschen Behauptungen gegen die Konkurrenz aus der Ostberliner Nalepastraße polemisierte, greift er jetzt nach den Thüringer Wellen von DS-Kultur, um die ungeliebte Konkurrenz damit auch in West-Sachsen, Franken und Ost-Hessen zum Verstummen zu bringen. Alfred Duchac winkte schon mit alsbaldigem Vollzug des Gruber-Begehrens, mußte aber überraschend vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten. Das war ein so schwerer Rückschlag für Gruber, daß er jetzt das Programm des Deutschlandsfunks ganz in das Gefecht um die thüringischen Wellen von DS-Kultur wirft, denn er hatte ganz offensichtlich das Vertrauen verloren, daß igendein anderer Politiker aus dem Osten sich seinem Wunsch so gefügig zeigt wie Duchac.

"Aufzuräumen vermag das, was Duchac hinterließ, keiner aus dem Osten. Und schon gar keiner aus Thüringen selbst." So begann am Sonnabend um 13.25 Uhr scheinbar unverfänglich in den Themen der Woche eine Lobrede auf Bernhard Vogel und seinen Aufbruch nach Thüringen. Beauftragt war damit Stefan Bischof, ein hilfswilliger Ossi aus dem Wessi-beherrschten Mitteldeutschen Rundfunk.

Die ostdeutschen Eingeborenen

Gewiß, so räumte er ein, im Osten rumore "das Gefühl, okkupiert zu sein". Aber das habe doch nur zweitrangig mit Personen zu tun, denn: "Jeder hier hat inzwischen die Erfahrung machen können, daß Verständigung möglich ist. Und Vogel scheint mir auch dabei ein geeigneter Partner." Es sei darum "abwegig, die Vogel-Lösung zu kritisieren, weil der Mann aus dem Westen kommt". Und dann folgte ein Verdikt gegen jeden ostdeutschen Ministerpräsidenten, dem nicht garantiert unverfälschtes westdeutsches Blut durch die Adern rollt: "Jeder irgendwie profilierte Politiker aus dem Osten trägt die sogenannte Vergangenheit mit sich herum, sonst hätte er die Chance nicht gehabt, sich zu profilieren."

Nur noch zwei der ostdeutschen Landeschefs seien "nunmehr sogenannte Eingeborene". Und niemand werde "auch nur den letzten Hut darauf verwetten wollen", daß dies noch lange so bleibe. Stolpe, lediglich "zu DDR-Zeiten die integre oppositionelle Person schlechthin", müsse sich inzwischen ja schon von Journalisten verurteilen lassen und verbringe "Tag um Tag damit zu erklären, zu dementieren, zu debattieren, zu grübeln und zu suchen". Weg mit Stolpe. Und auch in Mecklenburg-Vorpommern kratze man doch schon "an der glatten Fassade von Ministerpräsident Gomolka". Weg auch er, Ossi bleibt Ossi, da helfen nur noch Wessis wie Vogel: "Wer hier ein Land führen will, kann sich nicht mit solchen Debatten beschäftigen müssen."