Sanft schlummert er uns was vor, dieser nette Herr, scheint fern jeden irdischen Kummers, entspannt im Hier und Jetzt. Beneidenswert. Und so tun auch wir das, was die Verbraucherberatung – schnöde: „Werbung“ – uns nahelegt: Wir träumen. Der Herr, der da auf dem Bildschirm selbstvergessen der realen Welt entschwebt, bekommt sanften Besuch: eine Stewardeß schreitet ins Bild, ein Lächeln huscht über ihr Antlitz, ein mütterlich-fürsorgliches, zwischen dem von Vera Drombusch und Mutter Teresa changierend. Mit zarter Hand nimmt sie dem Schlafenden das Tablett vom Tischchen. Nein, bevor es herunterfällt, ist der gute Geist da, allzeit bereit zu dienen.

Auch ein Kind wird der Mildtätigkeit einer uniformierten Amme teilhaftig, ein Kissen wird unter sein kraushaariges Haupt gebettet und – eben – nicht gestopft.

Schließlich erfahren wir, was wir als Verbraucher, die wir so oft unter Dingen wie Jet-lag und Lieblosigkeit leiden, brauchen: die Lufthansa. Das muß uns keine Stimme eintrichtern, nein, wir sehen nur das Firmenlogo, der Kranich fliegt in unser Unterbewußtsein.

Werbung ist etwas Schönes. Lufthansa, unser deutsches Flaggschiff mit dem ausgesprochen widersprüchlichen Ruf, über korrektes Flugbegleitungspersonal zu verfügen, ist noch schöner. Vergessen nach solcherlei Animation aus dem Reich des Prinzips Hoffnung, daß noch vor wenigen Wochen man selbst kaum ein Auge zuzudrücken wagte, weil das Tablett mit all den Resten nicht abgeräumt wurde.

Das kann nicht bei der Lufthansa gewesen sein, dämmert uns. Denn da schwebt eine liebreizende Dame vorbei, nur um ein Schlückchen Schampus nachzugießen. Geschenkt auch die fahle Erinnerung an den schlaflosen Flug, als man über dies und das grübelte und ein kühles, koffeinhaltiges Getränk wünschte – aber kein Klingelzeichen erhört wurde, während aus dem Hintergrund, hinter dem Personalvorhang, dumpfe Geräusche zu hören waren: Spielte man Skat? Oder schaute man etwa TV, Werbung vielleicht, Spots begutachtend mit schlafenden Leuten in 10 000 Meter Höhe, denen fleißige Stewardessen das Leben versüßen? – Vielleicht doch nur geträumt.

Jan Feddersen