Camus-Faktor

Einen Moment bitte! Um eine kleine, wenn auch selbstverständlich nicht unwesentliche Korrektur bittet uns die Schnell-Lesen-Praxis Michelmann in Windeck-Wiedenhof. An dieser Stelle, in der ZEIT Nr. 2 vom 3. Januar d. J. berichteten wir über ein Schnell-Lesen-Training bei Michelmann, das den Teilnehmern nach Absolvierung erlaubt, den „Fremden“ von Camus in viereinhalb Minuten zu lesen. „Der genannte Preis von DM 14 820,– für ein Training ist nicht korrekt“, schreibt uns nun Michelmann, „tatsächlich ist die Investition DM 17 100,–.“

Auch sorgfältige Recherchen unsererseits konnten bedauerlicherweise nicht mehr klären, ob der Preis in den uns zugegangenen Unterlagen überhaupt richtig angegeben war, ob Übersprecheffekte aus einem parallellaufenden Kostenbeschleunigungsseminar schuld sind oder ob wir in der Eile die Zahl einfach falsch gelesen haben. Mag sein, daß die – bei einem hierorts bereits erreichten Camus-Faktor größer 120 – noch verbliebenen 34 Hundertstelsekunden Bearbeitungszeit pro PR-Mappe einfach zu kurz sind. Das erlaubt zwar, jedweder Jubelunterlage in einem einzigen Arbeitsgang, nämlich während der Flugphase Schreibtisch-Papierkorb, alles Beachtenswerte zu entnehmen – aber vielleicht ist Rationalisierung doch nicht alles. Der Fall gibt zweifellos zu denken.

Richtung Vorderkopf

Die beinharten Gesetze der Industriegesellschaft sind an dieser Stelle wiederholt Gegenstand äußerst resignativer Erörterungen gewesen. Normen, wohin man sieht, und dazu Fakten, immer nur Fakten. Wo aber bleiben Phantasie und Gefühl? Daß wir der Frage diesmal nicht vergeblich nachhängen müssen, ist dem Bund Deutscher Haarformer (BDH) in Darmstadt zu danken. „Gefühle 92“, so und nicht anders hat der BDH seine Kreationen genannt, die in Darmstadt jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. „Weiche, klare Linien, Ponyschnitte und abgestimmte Farbtöne“, so entnehmen wir der dpa-Meldung, „sollen den Frisuren in diesem Jahr einen Hauch von Gefühl verleihen.“ Nach den Worten von Jürgen Brandenburger, dem Modebeauftragten der Haarformer, sei die Zeit der harten Kanten vorbei, die Haare sollten wieder natürlich fallen. Gekämmt werde in diesem Jahr vorwiegend in Richtung Vorderkopf, Ponyfransen seien ein Muß. Wie der Mann weiter ausführte, werde der Hinterkopf nur wenig gestuft, dadurch wirke er füllig, die Betonung läge auf dem Oberkopf. Ideen wie diese, so hieß es in Kreisen des Bundes Deutscher Haarformer, seien keineswegs „an den Haaren herbeigezogen“, sondern „nach genauer Erkundung des Marktes und des Zeitgeistes entwickelt“. Weiche Linien, keine Kanten, natürlich fallen – gute Nachrichten aus Darmstadt.