Ein König für Georgien

Noch büffelt der junge Prinz an einer teuren Privatuniversität im amerikanischen Bundesstaat Georgia. Aber muß Irakli Bagration das Studium nicht hinschmeißen, wenn in der fernen Heimat seiner Ahnen urplötzlich die Königskrone funkelt? Der Neunzehnjährige, dessen Eltern im Jetset des spanischen Marbella zu Hause sind, soll dem von blutigen Machtkämpfen gezeichneten Georgien aus der politischen Not helfen. „Wir hoffen auf eine kraftvolle Monarchie“, verkündete ein Führer von Georgiens Demokratischer Nationalpartei PND. Studiosus Irakli soll demnächst unter der Anleitung eines Kronrats umgeschult werden, um in Georgien die konstitutionelle Monarchie wiederzubeleben. Vater Bagration zögert noch: „Erst soll eine Volksbefragung darüber entscheiden, ob die Georgier uns wirklich wieder auf dem Thron sehen wollen.“

Im Streß verschollen

Schnell noch, völlig ungestreßt, eine Anekdote aus dem Räderwerk des Bonner Parlaments. Der Abgeordnete Dr. Klaus Lippold (Offenbach) hat die Themen der Zeit erkannt und deshalb kaum noch Zeit. So sehr sorgt sich der Vorsitzende der Enquetekommission „Schutz der Erdatmosphäre“ um die Zukunft unseres Planeten, daß er fast nie zu erreichen ist. In seinem Bonner Büro dokumentiert ein Anrufbeantworter, wie das Diktat endloser Termine einen bundesdeutschen Fulltime-Politiker wochenlang vom eigenen Arbeitszimmer fernhält: „Das Büro ist über die Weihnachtsfeiertage bis zum 2. Januar geschlossen“, lautete die monotone Antwort vom Band auch noch am Freitag vergangener Woche (31. Januar 1992). Schon das stimmte nachdenklich. Dann aber folgte noch ein Nachsatz: „Wir wünschen allen für 1991 alles Gute.“

Schön und groß und bunt

Kennen Sie die größte Bürgerinitiative unseres Landes? Nein? Der Bundeslandwirtschaftsminister, Herr Ignaz Kiechle, hilft uns freundlicherweise weiter: Der Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ist es. Besonders hob Kiechle die „spontane und sofortige Teilnahme von Dörfern aus den neuen Bundesländern“ hervor. Dies beweise, „daß Selbstbewußtsein und Eigeninitiative dort nicht erst neu erfunden werden müssen“. Es geht also auch mental voran, Kopf hoch im „Aufschwung Ost“! Was wiegt da schon die Nörgelei mancher Naturschützer, die immer gleichen Geranien in den immer gleichen Blumenkästen auf den immer gleichen Balkonen reduzierten genetische und optische Vielfalt in den Dörfern? Das sind ja nur kleine Bürgerinitiativen – was kümmert’s die allergrößte ihrer Art?