Eine Sammlung von allerlei notwendigen Gebrauchsgegenständen, gesehen von Manfred Sack

Hoffen wir, daß das runde, rotgestreifte weiße Ding, das da an der Reling und am Ufergeländer hängt, noch keinem Leser hatte zugeworfen werden müssen, weil er ins Wasser gefallen war – und nicht schwimmen konnte, der Pechvogel. Ist es aber nicht verlockend, das Ding mal auszuprobieren? Ob es schwimmt? Ob es einen wirklich trägt? Und wie man sich dabei fühlt? So wie man in der Bahn immer mal wieder die teuflische Lust spürt, die Notbremse zu ziehen?

Was für den ganz unfreiwilligen Aufenthalt im Wasser notwendig wäre, ahnten zwar schon unsere antiken Altvorderen, doch so richtig begannen sie sich seltsamerweise erst im 18. Jahrhundert zu fragen, womit Menschen in Seenot zu helfen wäre. Wie angenehm, daß sich 1765 der Doktor John Wilkinson schon mal mit der „eigentümlichen Schwimmkraft des Korkes“ und „deren Veränderung durch das Eintauchen in Fluß- und See-Wasser“ beschäftigt und bemerkt hat, „daß dieselbe Quantität Kork, die einen fetten oder recht dicken Menschen im Wasser erhält, gar nicht zureicht, einen mageren zu erhalten, wenn sie beyde schon in der Luft gleiches Gewicht haben“.

Richtig: Fett schwimmt oben. Und zur Jahrhundertwende suchte die Royal Humane Society dann tatkräftig nach Rettungshilfen – und fand eine bei Knight Spencer, dem sie 1803 dafür eine Silbermedaille überreichte: einen Rettungsring, einen mit Ölfarbe wasserdicht lackierten, auch schon mit Greifseilen versehenen Segeltuchschlauch, der mit achthundert Flaschenkorken gefüllt war. Und nun hob ein großes Verbessern an.

1848 wurde zum erstenmal beschrieben, wie man einen Rettungsring, zum Beispiel „Carte’s self-acting life Buoy“ richtig zu benutzen habe: mit beiden Händen packen, kopfüber hineinschlüpfen, sich aufrecht in den Ring lehnen und winken. Genauer las man das vierzig Jahre später so: „Die beste Art, im Wasser in eine ringförmige Boje zu schlüpfen, ist folgende: man hält beide Hände zusammen und schlägt recht in der Mitte auf die Boje; sie wird dann über den Kopf hineinschwingen. Ist man glücklich (glücklich!) darin, so lege man die Hände zusammen, spreize die Ellenbogen aus und lasse sie auf den Kanten der Boje ruhen. Auf diese Weise kann man sich am besten vor dem Wasser klaren.“ Na klar!

Vorgeschrieben aber waren Rettungsringe noch lange nicht, trotz der vielen alarmierenden Havarien und der vielen, vielen ertrunkenen Seeleute. So vergingen vom ersten Reichsgesetzentwurf von 1877 bis zur Verabschiedung noch über ein Dutzend Jahre in Deutschland. Erst 1891 schrieb das Gesetz vor: „Jedes Schiff muß für jede an Bord befindliche Person einen Rettungsgürtel ... haben“, ein jeder „von weisser oder rother Farbe“ und „jederzeit leicht erreichbar“ aufgehängt. Seit 1980, da die Bundesrepublik das ergänzte Internationale Übereinkommen zum Schutze des menschlichen Lebens auf See ratifiziert hat, bestimmt die Schiffslänge die Zahl der Rettungsringe: bis sechzig Meter mindestens acht, über 240 Meter wenigstens dreißig, jeder mit einem äußeren Durchmesser von mindestens achtzig und einem inneren von wenigstens vierzig Zentimetern, und nach zwei Sekunden in den Flammen darf keiner weiterbrennen oder schmelzen.