Die Spekulation mit zinsabhängigen Aktien zahlte sich aus

Von Reinhold Rombach

Mit einer gehörigen Portion Vorsicht sind die Teilnehmer des diesjährigen ZEIT-Börsenspiels in die neue Runde gestartet. Die Anlageexperten der Südwestdeutschen Genossenschafts-Zentralbank und der österreichischen Bank Austria behielten dreißig Prozent ihres Startkapitals (100 000 Mark) als sichere Barreserve in der Kasse, die Vorjahressiegerin Elisabeth Höller aus der Schweiz sogar vierzig Prozent. „Abwarten“ lautet die allgemeine Devise, nachdem die meisten Börsen-Auguren sich zum Jahresbeginn skeptisch gezeigt hatten. 1992 könne zwar ein gutes Börsenjahr werden, so eine verbreitete Einschätzung. Doch bevor die Kurse zu steigen beginnen, sei noch ein Tal der Tränen zu durchschreiten: Der hohe Kapitalbedarf verhindere niedrigere Zinsen, gleichzeitig würden die Konjunkturaussichten weltweit immer vorsichtiger beurteilt.

Dennoch wollen die Teilnehmer an Börsenspielen auch in flauen Börsenzeiten Gewinne machen – oder wenigstens zeigen, daß sie besser sind als der Durchschnitt. Und der durchschnittliche Börsengewinn in den ersten vier Wochen des Spiels (10. Januar bis 6. Februar) lag, gemessen am MSCI-Weltaktienindex, bei 0,97 Prozent. Wer diesen Wert schlagen wollte, durfte nicht nur auf Nummer Sicher gehen, sondern mußte etwas wagen – was natürlich die Gefahr von Verlusten erhöht.

Mit einer Mischung aus Vorsicht und mutigem Vorwegdenken versuchte sich Stefan Zapotocky von der Z-Länderbank Austria aus diesem Dilemma zu retten. Er war damit recht erfolgreich. Auf der Basis einer sicheren Kassenposition von 30 000 Mark verfolgte der Wiener mit dem Rest seines Vermögens eine eher spekulativ orientierte Strategie. Vierzig Prozent des Startkapitals wurden in die österreichischen Bauwerte Baumax und Wienerberger investiert.

Es spricht zwar nicht gerade für eine ausgewogene Depotgewichtung, wenn gleich zwei von maximal vier möglichen Titeln aus der gleichen Branche kommen. Aber andererseits läßt sich mit einer derart riskanten Vorwärtsstrategie schnell gutes Geld verdienen. Die Überlegung von Stefan Zapotocky war im Grunde einfach, aber dennoch plausibel: „Wenn der Zinsdruck nachgibt, dann müßten diese beiden Titel besonders profitieren, zumal die Kurse trotz Ostphantasie ziemlich niedrig sind.“

In der Tat setzte früh im Januar die ersehnte Zinsentspannung ein, was zu steigenden Kursen bei den Bauaktien Wienerberger und Baumax führte. Mit Gewinnen von deutlich mehr als zehn Prozent hievten sie das Depot der Bank Austria auf ein beachtliches Monatsplus und verhalfen dem Wiener Börsenprofi zu einem klaren Vorsprung im Börsenspiel.