Hier wäre nun eigentlich der Ort, um ein klärendes Wort in einem wissenschaftlichen Streitfall zu sprechen: Können drei verschiedene weibliche Wesen einen identischen Urin haben (Theorie Prof. Keul), oder ist dies (Theorie Prof. Donike) unvorstellbar?

Nein, es geht nicht (nicht schon wieder!) um Shakespeares „Macbeth“, nicht um die drei berühmten Hexen und ihre bekanntermaßen übelriechenden Körperausscheidungen. Es geht um die deutschen Leichtathletinnen Krabbe, Breuer und Möller und deren in Südafrika vollzogenes, mittlerweile vom schwärzesten Doping-Verdacht überschattetes Wasserlassen.

Nun könnten wir natürlich schadenfroh herfallen über unsere lieben Kollegen von Bild, die seit der deutschen Vereinigung nicht müde wurden, uns ausgerechnet Frl. Krabbe als Apotheose des deutschen Fräuleinwunders anzudrehen; die sich nicht entblödeten, an Krabbes angeblich sensationell langen Beinen resp. sensationell süßem Hinterteil eine Art fortgesetzter Verbalmasturbation zu vollziehen.

Nein, wir wollen keine Pharisäer sein. Verlassen wir also unser Anabolika-Gretchen und tun wir, was einem deutschen Mann in diesen schweren Zeiten am besten zu Gesichte steht: Machen wir ein Geständnis! Kurz und brutal: Auch in dieser Zeitung wird gedopt!

Sowenig eine sportliche Weltklasseleistung heutzutage ohne Aufputschmittel vorstellbar ist, sowenig eine journalistische. Dabei reden wir gar nicht von den alteingeführten, sattsam bekannten Rauschmitteln. Nicht von Nikotin, Koffein, Codein. Nicht von Aspirin und Repursan. Und schon gar nicht vom Alkohol. Viel dramatischer ist der offenbar zügellose Gebrauch eines teuflischen Elixiers, das unter dem trügerischen Namen „Gerolsteiner Stille Quelle“ im Handel ist.

Eine besonders perfide Methode des Dopings entdeckten wir im Feuilleton. Hier wurden mehrere Redakteure beim Versuch ertappt, sich durch das Wiederlesen eigener Artikel sowie das Wiederverwenden eigener Pointen unerlaubt zu euphorisieren.

Noch liegen nicht alle Urinproben aus der ZEIT-Redaktion vor. Winziger Trost: Die Seite 1 dieser Zeitung ist erwiesenermaßen dopingfrei. Und auch im beliebten Inhaltsverzeichnis (Seite 8) konnte der Einsatz von Aufputschmitteln bisher nicht nachgewiesen werden. Das beruhigt und schafft Vertrauen.

Finis