Vor rund einem Jahr, am 1. Februar 1991 um 15.45 Uhr, trat der 84jährige, pensionierte Mittelschullehrer Dr. Eberhard Steinacker aus Landeck in Tirol im Innsbrucker Verkaufsbüro der Tiroler Tageszeitung an einen Schalter. Dort verlangte er eine Ausgabe der Tiroler Tageszeitung, kaufte sie, öffnete dann seine Aktentasche, nahm einen Hammer heraus und schlug damit zweimal auf das Pult ein, wodurch ein Sachschaden in der Höhe von 23 362 Schilling (ca. 3300 Mark, d. Red.) entstand. Bei der Polizei legte er sofort ein Geständnis ab und versicherte, daß er umgehend für den Schaden aufkommen wolle. Am 8. Mai 1991 wurde beim Bezirksgericht Innsbruck die Causa Tiroler Tageszeitung gegen Dr. Eberhard Steinacker unter Vorsitz von Richterin Dr. Sabrina Strehle verhandelt. An die zwanzig Interessierte und Sympathisanten waren erschienen.

Richterin: Eberhard Steinacker, Sie werden beschuldigt, mit einem Hammer auf ein Pult der Tiroler Tageszeitung geschlagen zu haben. Bekennen Sie sich schuldig?

Steinacker: Ich bekenne mich schuldig.

Richterin: Warum haben Sie das gemacht?

Steinacker: Ich war unfähig, im Dritten Reich aktiven und konsequenten Widerstand zu leisten, obwohl keinerlei Lebensgefahr bestand. Dafür schäme ich mich bis heute. Als ich nun 1990 das Gespenst des Dritten Weltkrieges am Horizont sah, sagte ich mir: „Diesmal wirst du im Rahmen deines mikroskopisch kleinen Einflußbereiches gegen fahrlässige, leichtfertige und zynische Verharmlosung des Krieges mit allen Mitteln bis zum Äußersten dich wehren.“ Dieser Tatbestand war durch den Golfkriegs-Artikel der Tiroler Tageszeitung vom 29. 1. 1991, Seite 1 unten, gegeben. Ich habe diese Aktion drei Tage lang erwogen, geplant, vorbereitet und dann durchgeführt. Der Zweck war, ein öffentliches Gespräch mit der TT oder über die TT herbeizuführen.

Richterin: Haben Sie vorher auf andere Weise versucht, mit der TT ins Gespräch zu kommen?

Steinacker: Einen anderen Weg habe ich nach vierzig Jahren Erfahrung mit der Tiroler Tageszeitung nicht gesehen. Ich werde es aber bestimmt kein zweites Mal tun. Das Gericht um eine milde Strafe bitten kann ich nicht, ich möchte nur, daß das Urteil dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entspricht.