Von Gunter Hofmann

Bonn, im Februar

Wie Herkules am Scheideweg fühlt er sich ein bißchen, zwischen Pflicht und Neigung. Das Bild kommt ihm nicht zufällig in den Sinn. Bei ihm als Altphilologen liegt es abgespeichert und aufrufbar bereit. Griechen und Römer – sie gehören zu seiner Software. Und die Metapher vom Scheideweg zählt ohnehin zu denen, die er am liebsten gebraucht.

Der Mann am Scheideweg, Konrad Seitz, ist noch bis zum Ende dieses Monats Planungsstabschef (seit 1981) im Auswärtigen Amt. Dann geht er als Botschafter nach Italien. Er zählt zu den Uraltvertrauten von Hans-Dietrich Genscher. Nur ein dreijähriger Abstecher als Botschafter in Indien lag dazwischen, sonst blieb er an dessen Seite.

Reden schreibt Seitz für Genscher sogar schon seit 1975. Vermutlich hat es einen einflußreicheren Ghostwriter als ihn überhaupt noch nirgends gegeben. Auf manche der Reden ist Seitz wirklich stolz. "Das Wichtigste, das ich für Genscher tun konnte", sagt er, sei die Rede vom Januar 1987 in Davos gewesen, ein sehr frühes, sehr entschiedenes Plädoyer, Gorbatschow ernst und beim Wort zu nehmen.

"Rom ist ein Traum", lacht Seitz. Dahin also führt ihn der Weg nach der Wegscheide. Er habe sich wirklich weggewünscht. Wie wunderbar. Kann es für zwei Altphilologen wie seine Frau und ihn besser kommen?

Der Spitzenbeamte, Münchener, Jahrgang 1934, war immer eine halböffentliche Figur. Er konnte, sollte und durfte auch Dinge sagen, die Genscher nicht, so nicht oder jetzt nicht artikulieren wollte. Gern und unüberhörbar stritt er also mit im manager magazin, in der FAZ, in der ZEIT. Ende 1990 veröffentlichte er dann einen kleinen Bestseller: "Die japanisch-amerikanische Herausforderung".