Wissenschaftler suchen nach den Gründen für den Untergang einer Supernova

Von Hinrich Bäsemann

Die Astronomen werden den 23. Februar 1987 noch lange nicht vergessen. An diesem Tag explodierte in der Großen Magellanschen Wolke ein bislang kaum beachteter Stern. Als mit bloßem Auge sichtbare Supernova namens SN 1987A sorgt sie bis auf den heutigen Tag unter den Sternforschern für Diskussionen und schlaflose Nächte. Genaugenommen liegt das dramatische Ereignis schon 170 000 Jahre zurück. Denn so lange braucht das Licht aus der kleinen Satelliten-Galaxie unserer Milchstraße bis zur Erde. Mit eigenen Augen hatten zuletzt die großen Astronomen Johannes Kepler im Jahre 1604 und wenige Jahre zuvor 1572 Tycho Brahe eine Supernova gesehen.

Rechtzeitig zu ihrem fünften „Geburtstag“ hat sich die kosmische Fackel mit einer neuen Überraschung in Erinnerung gebracht. Seit einigen Monaten strahlt die Supernova immer heller im Radiowellenbereich bei 843 Megahertz und 4,8 Gigahertz. 1200 Tage lang hatten Astrophysiker ihre Radiolauscher erfolglos auf den explodierten Stern gerichtet. Nur wenige Wochen nach dem Jahrhundertereignis vor fünf Jahren hatte es schon einmal einen kurzen und schwachen Radioausbruch gegeben, der aber dann rasch wieder verstummt war.

Die neuerliche Radiostrahlung ist das Ergebnis einer gigantischen Kollision zweier unterschiedlich schneller und dichter Gaswolken, wie australische Astrophysiker kürzlich in der Zeitschrift Nature (Vol. 355, S. 147) berichteten. Sie orteten den Ursprung der Radiosignale (innerhalb einer halben Bogensekunde) im Bereich der sichtbaren Überreste der Supernova, wie sie vom Hubble-Weltraum-Teleskop auch photographiert worden sind. Das läßt mit hoher Sicherheit auf die Supernova als Quelle schließen.

Auf dem Weg zur Supernova hatte der Stern zwei Entwicklungsstadien durchgemacht. Als Roter Überriese hatte er zunächst jährlich Gase von mehr als der dreifachen Masse der Erde (zwanzig Trilliarden Tonnen, 2 x 10 22) mit zehn Kilometern pro Sekunde ins All geblasen. Die Masse des Sonnenwindes des folgenden Blauen-Überriesen-Stadiums erreichte zwar nur rund ein Fünftel dieser Jahresmenge, war aber mit 500 Kilometern pro Sekunde fünfzigmal so schnell.

Inzwischen hat diese innere, schnellere Gasschicht die äußere und langsamere eingeholt. Dabei bildete sich eine Schockfront, in der Elektronen bis nahe an die Lichtgeschwindigkeit beschleunigt wurden und sogenannte Synchrotronstrahlung freisetzten, die seit Mitte 1990 von australischen Astrophysikern permanent registriert wird. Falls die Erklärung der Radiosignale nach diesem Mechanismus der sich durchdringenden Gasschalen richtig ist, dann sollte die Intensität bis zu einem Maximum zunehmen und dann wieder zurückgehen. Die mit 30 000 Kilometern pro Sekunde in den Raum geschleuderten äußeren Schichten der letzten Phase des explodierenden Sterns werden dabei sicherlich auch noch eine Rolle spielen. Sie könnten in Zukunft weitere Radioausbrüche verursachen.