Von Klaus-Peter Schmid

ZEIT: Herr Bangemann, hat die EG-Kommission so wenig zu tun, daß sie sich eine europäische Industriepolitik zulegen muß?

Bangemann: Wir wollen weniger zu tun haben, deshalb machen wir europäische Industriepolitik. Dies ist die beste Methode, wirtschaftlichen Problemen zuvorzukommen.

ZEIT: Voraussetzung wäre doch wohl, daß man sich über die Methode einig ist. Sie selber haben geschrieben: "Industriepolitik ist ein schillernder Begriff, unter dem beinahe jeder etwas anderes versteht."

Bangemann: Die meisten verstehen darunter staatlichen Interventionismus, auch verstaatlichte Industrie, also eine Vorherrschaft staatlicher Autorität in der Wirtschaft. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was die Kommission darunter versteht.

ZEIT: Das heißt?

Bangemann: Nach unserem Verständnis muß die Industriepolitik die europäische Industrie konkurrenzfähiger machen. Eine richtige Wettbewerbspolitik gehört ebenso dazu wie Freihandel.