Bumerangeffekt nennt man das: Ein Vorwurf, der einen anderen treffen sollte, fällt schmerzhaft auf den Urheber zurück. Jahrelang wurde die Bundesregierung nicht müde, dem Rest der Europäischen Gemeinschaft die Vorzüge einer soliden Finanzpolitik ans Herz zu legen: Sparsamkeit falle zwar schwer, mache sich aber bald durch niedrige Zinsen und gebändigte Inflation bezahlt. Besonders die Franzosen hätten das leider noch nicht ganz kapiert, spottete so mancher deutsche Finanzminister.

Anfang der Woche kam das Wurfgeschoß zurück. Die Deutschen sind in ihrer Fiskalpolitik zu schluderig und zu großzügig bei den Löhnen, monierte Frankreichs Finanzminister Pierre Bérégovoy in Brüssel – das treibe Zinsen und Inflation an. Der verblüffte deutsche Staatssekretär Horst Köhler versuchte einen Gegenangriff: Frankreich blockiere die Gatt-Welthandelsgespräche, das komme die EG viel teurer zu stehen. Schon wieder ein Bumerang: Bonn vereitelt selbst den Abschluß der Verhandlungen. Die Bundesregierung sollte ihre Politik überprüfen, ehe sie wieder zum Wurfholz greift. th