Das Beispiel Klose macht Schule. Die Sozialdemokraten waren zwar keineswegs begeistert, wie ihr Bonner Fraktionsvorsitzender dem Kieler Parteivorsitzenden nahezu drei Jahre vor der Bundestagswahl – und zwei Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein – die Erklärung abzwang, er stehe als Kanzlerkandidat zur Verfügung. Aber irgendwie hat "der Uli" dem Publikum schon imponiert.

Was der Opposition recht ist, könnte der kleineren Regierungspartei billig sein. Bei der FDP steht für 1993 ein Generationswechsel an. Nachdem es keinen gibt, der ohne Eigennutz eine beschleunigte Klärung der Nachfolgefrage fordert, fühlt Jürgen Möllemann, der Parteivorsitzender werden möchte, sich bemüßigt, dies selbst zu tun. Sozusagen aus heiterem Winterhimmel verlangt er ein "Konklave" der Führung der Liberalen zur Klärung der dringlichen Personalfragen.

Das ist ein anders gestrickter Vorschlag als die Idee der Urwahl durch alle Parteimitglieder, mit dem Klose in der SPD vorübergehend die Diskussion verwirrt hat. Das etwas elitäre Konzept eines Konklaves entspricht freilich liberalen Vorstellungen von Führung und Personalpolitik mehr als Kloses basisdemokratisches Modell. Und nicht nur im Fall der FDP steckt darin mehr realpolitische Durchführbarkeit.

Die Parallele zu Klose besteht nicht im Wahlmodus. Der Sozialdemokrat hat sich mit der "Urwahl" ohnehin nicht durchgesetzt, im Gegenteil: Der künftige Kanzlerkandidat der SPD, Björn Engholm, wurde durch den Parteivorsitzenden Björn Engholm benannt. Das ist ein erheblich exklusiveres Entscheidungsgremium als ein Konklave.

Vergleichbar ist jedoch die Eile, mit der Möllemann zur Entscheidung drängt: Otto Graf Lambsdorff, um dessen Posten es geht, erinnert mit gewissem Recht daran, daß er vor gar nicht langer Zeit, nämlich im vergangenen November in Suhl, für zwei letzte Jahre erneut zum FDP-Vorsitzenden gewählt worden ist. Der Parteitag des Generationswechsels findet Mitte Juni 1993 in Möllemanns Münster noch früh genug statt. Der Zeitdruck will dem Grafen weder persönlich noch politisch einleuchten.

Zieht man eine weitere Analogie zur SPD, dann erinnert Lambsdorffs Widerstand gegen Möllemanns Ungeduld merklich an Hans-Jochen Vogel. Der Parteivorsitzende der SPD hatte im Sommer 1989 zwar intern seinen Abgang zugunsten des damaligen Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine in Aussicht gestellt, sich jedoch anders besonnen, als genau das von ihm voreilig und öffentlich verlangt wurde. So nicht!

Im Kanzleramt des CDU-Vorsitzenden Helmut Kohl verfolgt man all dies mit Amüsement. Sorgen sind das!