Jetzt ist es so gut wie amtlich: Edzard Reuter kann seine Pensionierung um zwei Jahre verschieben. Schon in seiner nächsten Sitzung am 4. März wird der Daimler-Benz-Aufsichtsrat alles klarmachen. Eigentlich hätte der Daimler-Chef, der im Februar 1993 seinen 65jährigen Geburtstag feiert, Ende nächsten Jahres ausscheiden müssen. Doch für Deutschlands umsatzstärksten Industriekonzern käme der Wechsel an der Spitze zu früh. Der auch im eigenen Hause nicht unumstrittene Reuter möchte den großen Umbau von Daimler-Benz noch selber ein Stück weiter vorantreiben, um sich anschließend als erfolgreicher Konzernarchitekt verabschieden zu können. Unerledigt sind vor allem der Personalabbau im Automobilbereich, die endgültige Sanierung der AEG und die Neuorganisation der Deutschen Aerospace.

Hinzu kommt, daß Reuters Wunschkandidat als Nachfolger, Aerospace-Chef Jürgen Schrempp, mitten in der Neuausrichtung der Luft- und Raumfahrtgruppe und der Umrüstung von militärischer und ziviler Fertigung auf seinem Platz zur Zeit unentbehrlich ist. Da Werner Niefer, Reuters Stellvertreter im Holding-Vorstand und Chef der Daimler-Automobiltochter Mercedes-Benz, schon im Frühjahr 1993 seinen Platz für Helmut Werner räumt, ist sichergestellt, daß die beiden ersten Männer des Konzerns nicht im selben Jahr gehen.

Im Oktober vergangenen Jahres ließ der Augsburger Bauunternehmer Ignaz Walter die Aktienemission für seine Walter Bau AG im letzten Moment stoppen. Dem Baulöwen, dem Lust am Kasse machen nachgesagt wird, erschien die damalige Verfassung der Börse nicht geeignet, um von privaten Anlegern 760 Mark für eine Aktie zu bekommen. Jetzt versucht es der selbstbewußte Konzernchef, der sich in den zurückliegenden Jahren den drittgrößten deutschen Baukonzern zusammenkaufte, wieder.

Um den stolzen Kurs für zwanzig Prozent seiner Walter-Bau-Aktien begründen zu können, muß der Konzernherr die Zukunft seines Unternehmens allerdings in den allerrosigsten Farben darstellen lassen. Ganz und gar ungewöhnlich: Der Finanzvorstand gab öffentlich Auskunft über die in den Walter-Bilanzen schlummernden stillen Reserven und bezifferte sie mit mehr als 800 Millionen Mark.

Offenbar sind die deutschen Großbanken von Walter nicht so überzeugt, wie es der Unternehmer gerne hätte. Die Deutsche Bank hatte zum Beispiel keine Lust, Walter unter der Führung der Bayerischen Landesbank an die Börse zu bugsieren. Auch die Dresdner Bank winkte ab. Als in jüngster Zeit auch noch Commerzbank, DG Bank und die West LB den Bayern einen Korb gaben, wurde der gute Eindruck, den die Münchner Landesbank von Walters Bau-Aktien verbreitet, etwas lädiert.

Die Zurückhaltung der Großbanken, an einer der größten Börseneinführungen der jüngsten Zeit teilzunehmen, hat ihren Grund aber nicht nur im hohen Kurs, der Ignaz Walter auch persönlich sehr nützen wird. Denn der will von so hereinkommenden 360 Millionen Mark die Hälfte in die eigene Tasche fließen lassen. Zur Zurückhaltung der Banken trug auch bei, daß der impulsive und dynamische Konzernlenker Ignaz Walter offenbar nicht so gesund ist, wie es Walter-Vorstand oder Bayerische Landesbank gerne darstellen. Der 55jährige wurde in den vergangenen Monaten mehrmals an der Wirbelsäule operiert.

Frankreich hat offenbar doch keine Lust, auf lange Sicht massenhaft Nuklearstrom zu exportieren: "Es geht nicht an, daß die anderen EG-Länder von der billigen Energie profitieren, während wir die Probleme mit dem Atommüll haben", meinte nun Claude Mandil, Generaldirektor Energie im Pariser Industrieministerium.