Nie weiß, wer in fremden Federn schlafen muß, was ihn wirklich erwartet. Es bleibt immer ein Vabanquespiel, bis der Fahrensmann erst vorsichtig blinzelnd, dann mit einem beherzten Stoß die Tür geöffnet hat. Hotelzimmer pflegen in den Katalogen als zweckmäßig oder rustikal, als geschmackvoll oder komfortabel charakterisert zu werden, aber das sagt nichts aus über das, was manchen am allermeisten interessiert.

Waren es die Franzosen, waren es die Amerikaner, die Sinn für die Bedürfnisse eines verwöhnten Menschen auf Reisen entwickelt haben? Wem auch immer diese revolutionäre Tat auf dem Hotelzimmermöblierungssektor zu verdanken ist, bei jedem Nachtgebet sei der eingeschlossen, der sie erfunden hat – die wohlig breiten Betten, fast so gemütlich wie die zu Hause.

Nun möchte man meinen, der Fortschritt tue das, was er soll: fortschreiten. Aber nein, immer wieder muß der arglose Reisende, der Tages- oder Urlaubslasten müde, sich auf jene schmalen Bretter betten, die ihm schon in der Kinderzeit zu schmal, zu eng und zu klein erschienen. Ob im irischen Schloßhotel, ob in der portugiesischen Pousada, ob in der zu teuer bezahlten Herberge eines neuen Bundeslandes oder gar im Hochpreisetablissement einer französischen Luxuskette – da steht der matte Gast wieder vor dem schier unlösbaren Rätsel, wie schlafen auf diesem pritschenschmalen Bettgestell?

Argwöhnisch beäugt der Reisende, verwöhnt vom zimmerfüllenden Futon daheim, die höchstens meterbreite Ruhestatt. Vielleicht, grübelt er, stammt das antike Schlafmöbel im hochherrschaftlichen Schloßhotel aus jenen Zeiten, als die Menschen nur bis zur Höchstgrenze von einsfünfzig wuchsen. Vielleicht auch war der Innenarchitekt ein hagerer Asket, dem Schlafen strenge Pflicht, nicht Lust bedeutete.

Behutsam bezieht der matte Gast das sargschmale Nachtquartier, ortet gründlich die Umgebung, um sodann prophylaktisch alles zu entfernen, was bei einem nächtlichen Sturz – der so sicher scheint wie das Amen in der Kirche – schwere Blessuren zeitigen könnte. Vorsorglich schüttelt er ein Kissen neben dem Lager auf, um den jähen Fall aus dem Tiefschlaf abzufedern. Warum Bettdecken immer so fest unter die Matratzen geklemmt sind, ahnt er jetzt. Wie sonst könnte sich ein Hotel bei anfälligen Bettstürzen vor Haftung bewahren?

In langer Weile starren Wachens trachtet der Komfortverwöhnte krampfhaft danach, alle Gedanken an wohliges Wühlen in einem Berg von Kissen, an genüßliches Drehen und Wenden, ohne daß die Arme im Nichts baumeln, zu verdrängen.

Tröstlich allein, daß er einsam in der Fremde ruht. Denn voll Mitleid erfüllt ihn die Vorstellung, daß so manches einander durchaus zugetane Paar nun bettkästchengetrennt die Nacht, verbringen muß. Weiß er doch aus Erfahrung, daß Bettgestelle meist auch noch so verankert sind, daß ein Zusammenschluß unmöglich wird.