Täglich melden die Zeitungen, daß dieser oder jener Kulturschaffende seinen Austritt erklärt, natürlich unter lautem Protest. Nicht selten erfährt man erst auf diese Weise, daß er diesem oder jenem Club überhaupt angehört hat.

Zur Zeit werden wir von einer sensationellen Austrittswelle überrollt. Dabei dürfte es höchstens ein Bruchteil der Abtrünnigen auch nur zu einer dpa-Meldung bringen.

Das sollte für alle eine Mahnung sein, die ebenfalls mit ihrem Austritt liebäugeln: Ein Austritt lohnt sich erst von einem gewissen Bekanntheitsgrad aufwärts. Wenn Hinz und Kunz ihren Austritt aus dem „Verein Die Weserfischer e.V.“ ausposaunen, macht das natürlich nicht so viel Wind, wie wenn Kant oder Kunze aus ihrer Berliner Akademie austreten.

Weil das Akademie-Prestige hoch im Kurs steht, rauscht es dann viel stürmischer im Blätterwald. Deshalb hat die Presse schon eine spezielle Austritts-Rubrik eingeführt, wo man erfährt, wer gerade wo und warum ausgetreten ist.

Der gegenwärtig so virulente Austrittstrend scheint eine ansteckende Wirkung zu haben. Neulich machten die Boulevard-Blätter mit der erschütternden Schlagzeile auf: „Gottschalk droht: Ich trete endgültig aus der katholischen Kirche aus.“ Noch heftiger hat freilich die Drohung: „Ich steige endgültig aus der Show: Wetten daß...? aus“ seine Fans verschreckt.

Seit mir klar geworden ist, welch ungeheure Berühmtheit mit einer einzigen Austrittsdrohung zu erzielen ist, bin ich eisern entschlossen, auch mal irgendwo auszutreten.

Mein geheimer Wunschtraum wäre natürlich, auch mal aus einer Akademie auszutreten, was aber ausgeschlossen ist, weil mich noch keine Akademie als Mitglied haben wollte.