Nach der Verhandlung erörterten die Anwälte der beiden Parteien noch ein ganz persönliches Problem, morgens um zehn, auf dem Gang des Landgerichts. Es ging um den ansehnlichen Vorschuß, den der Reinbeker Rowohlt Verlag mal vor Jahren heutigen Rechtsanwalt Eisenberg, damals noch Johnny und echt agil in der alternativen Szene, und einen Kompagnon gezahlt hatte, für ein Buch, das dann nie zustande kam. Titel: "Medien subversiv".

Rechtsanwalt Eisenberg, heute Johannes, hatte gerade vor einer Zivilkammer eine Klägerin gegen den Verlag Rowohlt Berlin vertreten. Dem Rowohlt-Chef Michael Naumann schleuderte er im Saale ins Gesicht: "Ihre Verteidigungsbemühungen hier zeugen ja auch von Armut, um nicht zu sagen: Erbärmlichkeit." Zur Leiterin der Berliner Verlagsdependance, Ingke Brodersen, meinte er giftig: "Wir haben etwas mehr Erfahrung im Lesen von Zeugenaussagen."

Nach der knapp einstündigen mündlichen Verhandlung, als abzusehen war, daß am Mittag die Zivilkammer eine von Eisenbergs Mandantin bereits am 23. Januar im Eilverfahren erwirkte einstweilige Verfügung gegen das Rowohlt-Buch "Die RAF-Stasi-Connection" bestätigen würde, bat Rowohlt-Verleger Naumann den Rechtsanwalt Eisenberg, doch nun bitte langsam mal den Vorschuß zurückzuzahlen. Der begann daraufhin, gleich an Ort und Stelle mit dem Rowohlt-Anwalt zu verhandeln.

Eisenbergs Mandantin tauchte in dem Buch der beiden WDR-Journalisten Michael Müller und Andreas Kanonenberg (siehe auch ZEIT Nr. 6), das die Verbindungen zwischen der DDR-Staatssicherheit und westdeutschen Terroristengruppen beschreibt, an mehreren Stellen auf. Ihr wurden für die siebziger Jahre, als sie im Jemen lebte, Kontakte nicht nur zur Palästinenserorganisation PSLP und westdeutschen Terroristen, sondern auch zu Geheimdiensten aller Couleur unterstellt – darunter auch zur Stasi. Dabei war sie nie mit ihrem richtigen Namen, sondern stets nur unter ihrem vermeintlichen Decknamen die "schöne Frau" präsentiert worden. Die Passagen beruhten vor allem auf Informationen, die die beiden Buchautoren vertraulich von westdeutschen Terroristenfahndern bekommen hatten.

Am Donnerstag, dem 23. Januar, sollte das Buch ausgeliefert werden. Am Montag vorher brachte der Spiegel, dem Rowohlt wegen eines möglichen Vorabdrucks lange zuvor Druckfahnen zur Verfügung gestellt und der noch eigene Recherchen angestellt hatte, eine Geschichte über die "schöne Frau" und nannte sie bei ihrem richtigen Namen: Monika Haas, Frankfurt, Mutter von drei Kindern.

Die so Entblößte fürchtete nun um ihr und ihrer Kinder Leben, gab der Frankfurter Rundschau und der taz Interviews und erwirkte im schriftlichen Eilverfahren die einstweilige Verfügung gegen Rowohlt, die am geplanten Auslieferungstag zugestellt wurde, so daß ein Teil der Startauflage nicht mehr in den Handel kam.

Zur Überraschung und Freude aller Journalisten und Kameraleute erschien sie persönlich vor Gericht, obwohl das in einem Zivilverfahren nicht nötig ist, gab dort eine eidesstattliche Versicherung ab, nach der sie die in dem Buch beschriebene "schöne Frau" sei. Wie zuvor schon in ihren Zeitungsinterviews wies sie die in dem Buch und dem Spiegel erhobenen Vorwürfe entschieden zurück.