Beim Titel denkt man unwillkürlich: Auweia, Stulle mit Schmalz. Aber schwer von Gefühl ist der Band gerade nicht. Davor bewahrt ihn schon die Berliner Nüchternheit seiner Autoren, der eine (West) aus Wilmersdorf, der andere (Ost) vom Prenzlauer Berg. Gleich nach dem Fall der Mauer haben sie sich in der Absicht gefunden, ihr Wiedersehen mit der ganzen Spree zwar zu feiern, aber nicht zu einer jener sentimentalen Reisen in die Vergangenheit werden zu lassen, wie sie nach der Vereinigung auch so oft mit Büchern unternommen worden sind: „Wiedersehen am Strand der Spree – Ein Fluß und seine Geschichte“, von Horst Vollrath und Bernd Lammel; BeRing Verlag, Velbert-Neviges 1991; 165 S., 49,80 DM.

Im Gegenteil: Jede Zeile und jedes Photo ihres Buchs ist eine Information – angefangen bei den Spree-Quellen im Oberlausitzer Bergland an der Grenze zur Tschechoslowakei über das Sorbenland, den Spreewald und die märkische Streusandbüchse bis zur Berliner Mündung in die Havel. Horst Vollrath kennt sich da aus, auch in der Historie. Sein Text kommt ohne Schnörkel zur Sache, die Wundmale, die der Fluß berührt, eingeschlossen. Doch in Bernd Lammel hat er auch einen Photographen, der seine Kunst zwar mit einigen Gegenlichtaufnahmen und Landschaftsbildern vorführt, sich sonst aber streng an das selbstgesetzte Gebot der Information pur hält. Die Zerstörungen durch den Braunkohleabbau sind ebenso zu sehen wie triste Industriekomplexe.

Das macht den Band zu einem ungeschönten und authentischen Dokument, dem sich auch die prächtigen unter den durchgängigen Farbphotos unterordnen. Und der deutsch-englische Text macht das repräsentative, aber nicht auf übertriebenen Hochglanz getrimmte Buch vielseitig verwendbar. Ein kleines Juwel der Wiedervereinigung hat sozusagen die richtige Fassung erhalten.

Carl-Christian Kaiser