Da stürzt ein Ministerpräsident über seinen Versuch einer kleinen Kabinettsreform – und seinem Nachfolger fällt zum Neuanfang kaum mehr ein, als just diesen Plan zu verwirklichen: Bernhard Vogel, aus dem Westen nach Erfurt transferierter Kanzlerfreund und CDU-Politiker, degradierte die Parteierneuerin und bisherige Kultusministerin Christine Lieberknecht auf einen Außenposten, ins Thüringer Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten. Im Januar hatte Josef Duchac damit noch eine Revolte provoziert.

Ansonsten sandte Vogel mit seiner neuen Regierungsmannschaft nur ein Signal ins Land: In Thüringen bleibt (fast) alles beim alten. Der neue Kabinetts-Chef mußte einräumen, daß seine Ministerauswahl „nicht als Auszeichnung erworbener Verdienste“ zu verstehen sei. Diese Thüringer Regierungsriege wird wohl kaum bis zum Ende der Legislaturperiode durchhalten. Die Personalpolitik der Erfurter Staatskanzlei genügt vorerst mehr Partei- als Landesinteressen: Vogels Zaghaftigkeit brachte die zerstrittene CDU wieder zur Ruhe. Der Flügel der langjährigen „Unionsfreunde“ sieht sich durch Innenminister Willibald Bock repräsentiert, die Erneuerer blicken auf Finanzminister Klaus Zeh. Nur mit Dieter Althaus leuchtet ein neues Licht auf: Die Beförderung des 34jährigen Bildungspolitikers zum Kultusminister rückt einen eigenwilligen Kopf in die erste Reihe, der sich als Kritiker der Regierung Duchac profiliert hatte. Mehrfach hatte er bemängelt, daß Erfurt einerseits mit rüden Überprüfungen Lehrer wie Polizisten verunsicherte, andererseits aber die umstrittene Biographie des eigenen Ministerpräsidenten tabuisierte.

Weil Vogel zu wenig wagte, riskiert er viel: Offensichtlich glaubt da einer, er allein könne mit einer mittelmäßigen Regierungsmannschaft die Thüringer Staatsgeschäfte wieder in Schwung bringen. cw