Die multikulturelle Ruhe in den Niederlanden scheint vorbei. Angefangen hat es mit einem Brandanschlag auf den türkischen Gebetsraum einer Schule in Amsterdam-West. Wenig später explodierte in Den Haag in einem Arbeitsvermittlungsbüro für Ausländer eine Zeitbombe. Ende Januar folgte eine weitere im Gebäude des Migranten-Senders in Den Haag. Und noch in derselben Woche flogen fünf Brandbomben auf eine Moschee in Amersfoort.

Menschen wurden nicht verletzt – hier ging ein Fenster kaputt, dort brannte eine Gardine. Die Moschee in Amersfoort war rußgeschwärzt, an die Wände waren südafrikanische Hakenkreuze geschmiert. Einige Anschläge waren kurz zuvor telephonisch angekündigt worden – unter den Namen „Aktionsfront Nationalistische Niederlande“ und „Rechtsextreme Kommandos“.

„Wir suchen in rechtsextremen Kreisen“, bestätigt Joseph van Woensel von der Haager Polizei. Fünfzehn Polizisten machten sich auf die Spur der Täter und fanden heraus, daß zumindest die Zeitbomben auf eine Rechnung gehen. Zugleich sammeln kirchliche und politische Gruppen landesweit Unterschriften; am 14. Juni soll in Amsterdam eine große Demonstration stattfinden. Das große Moffensausen: Liegt Hoyerswerda auch in Holland?

„Ich bin natürlich sehr beunruhigt über diese Bömbchen“, sagt Marcel Kreuger vom Informationszentrum gegen Rassismus in Rotterdam. Aber bei den Tätern handele es sich vermutlich um „einzelne Idioten“, die Aufregung verursachen wollten. „Da gibt es ein paar Leute, die so eine Aktion begehen, und das ganze Land steht kopf.“ Kreuger befürchtet vor allem, daß die Schwemme der Zeitungsartikel und Fernsehberichte andere auf ähnliche Ideen bringen könnte.

In der Tat flog weniger als 48 Stunden nach dem ersten Den Haager Bombenanschlag ein Molotow-Cocktail auf dasselbe Ziel; es folgte ein Brandanschlag auf ein Hindu-Zentrum, und in einem ägyptischen Imbiß explodierte eine weitere Zeitbombe. In Flüchtlingsheimen und religiösen Zentren sind Drohbriefe eingegangen, die ironisch einen „schönen Februar“ wünschen; ein Photo von Hitler liegt bei.

Der Presserummel hat zwar neue Täter angespornt, zugleich aber die Justiz zur Eile getrieben: Gegen sechs Skinheads, die einen Mann aus Haiti zusammengeschlagen hatten, wurde jetzt, nur zwei Wochen nach der Tat, der Prozeß eröffnet.

Moritz Döbler