Die Bundesrepublik als pädagogisches Experimentierfeld – das war ein Ärgernis, das inzwischen Tradition hat.

Die FDP hat dem Bundestag die Einrichtung eines Kulturbeirates für das Erziehungs- und Bildungswesen beim Bundesinnenministerium vorgeschlagen. „Zur Wahrung der Einheit des deutschen Geisteslebens“, wie, nicht gerade glücklich, zur Begründung hinzugefügt wird.

Nun, über die „Einheit des deutschen Geisteslebens“, ja sogar deren Wünschbarkeit, kann man, wie das auch im Bundestag zum Ausdruck kam, mit Recht verschiedener Meinung sein. Aber daß es nicht angeht, den Studierenden die schulmäßigen Voraussetzungen für die Teilnahme an diesem Geistesleben durch die Eigenbrötler der Autonomie immer unzugänglicher zu machen, darüber sollte man nun endlich nur einer Meinung sein. Der Konferenz der Kultusminister ist es leider nicht gelungen, das chaotische Auseinanderfallen der Lehrpläne zu hemmen. Nun will man es mit einem Kulturbeirat versuchen, der ein Gremium angesehener Fachleute sein soll, gewissermaßen eine „moralische Instanz“, deren Vorschläge – nicht Weisungen – von den zuständigen Stellen nicht so leicht in den Wind geschlagen werden könnten, wie das bisher geschah. So meint man wenigstens, und hofft damit die Torheiten, die von Politikern und Pädagogen begangen worden sind, mit Hilfe von angesehenen Sachverständigen zu überwinden.

Die Hyper-Föderalisten witterten natürlich sofort wieder eine Gefährdung ihrer Landesrechte. Daß durch den Schulwirrwarr das verfassungsmäßig garantierte Umzugsrecht der Eltern gefährdet wird, interessiert sie bedeutend weniger. Ihre verfassungsrechtlichen Bedenken werden nun in dem zuständigen Bundestagsausschuß gründlich besprochen werden. Auch wir sind gegen Parforce-Lösungen, aber es muß etwas geschehen. So wie es ist, daß nämlich die Bundesrepublik ein pädagogisches Experimentierfeld darstellt, sollte es nicht mehr lange bleiben. R.S.