Die Studie über Krebserkrankungen bei Kindern im Umkreis von Atomkraftwerken, die der Bundesumweltminister Klaus Töpfer dieser Tage vorlegte, hat in der Öffentlichkeit Verwirrung verursacht. Die Medien sind, was wissenschaftliche Untersuchungen betrifft, fachlich oft überfordert. Nicht jede Redaktion besitzt die Kompetenz der ZEIT-Redaktion. Deshalb fühlen wir uns aufgerufen, Töpfers Zahlen wie folgt zu erläutern.

Kinder unter fünfzehn Jahren, die das Glück haben, im Strahlenkranz eines Atomkraftwerkes aufzuwachsen, erkranken wesentlich seltener an Krebs als andere Kinder. Jedoch: Kinder unter fünf Jahren erkranken doppelt so häufig. Wie das? Nun: Wenn die Mortalitätsrate kraftwerksnaher Kleinkinder doppelt so hoch ist wie normal, dann sind die überlebt habenden Kinder unter Fünfzehn statistisch gesehen im Vorteil und haben eine überdurchschnittliche Weiterlebenschance.

Es ist aber keineswegs so, daß sich Plus und Minus gegenseitig aufwögen. Nimmt man die Zahl der Lebensjahre, so haben, wenn man die paar durch Krebstod abgebrochenen Babyjahre abzieht, die Kinder eine insgesamt höhere Lebensgesamtbilanz, woraus folgt, daß in der Nähe von Atomkraftwerken leben früh sterben, ansonsten aber gut leben heißt. Was zu beweisen war.

Dies geht auch aus einem weiteren Ergebnis der Studie hervor: In Gegenden, wo Kraftwerke geplant, aber noch nicht gebaut worden sind, erkranken die Kinder dreimal so oft an Krebs als andere Kinder. Das heißt: Die Angst vorm AKW ist krebserregend, nicht das AKW selber. Das übrigens entspricht der Alltagserfahrung, daß nicht die Treppe zum Beinbruch führt, sondern die Angst vor ihr.

Was lehrt uns das? AKWs sollten heimlich geplant, gebaut und betrieben werden. Landschaftsarchitekten könnten sie durch Erdaufschüttung und Begrünung zu einem naturidentischen Landschaftsteil vulkanischen Aussehens gestalten. Am gelegentlich ausgestoßenen Dampf könnte den Kindern, sofern sie noch gehen und sehen können, das Walten der Erdkräfte sinnfällig demonstriert werden. Auch in der unmittelbaren Heimat gäbe es was zu erleben. Es muß ja nicht immer der Pinatubo sein. – So weit Töpfers Studie und ein paar Anregungen dazu. Finis