Das ist eine der traurigsten Liebesgeschichten aller Zeiten. Also: Es war einmal ein Mann in den besten Jahren, der brauchte dringend eine Frau. Sie sollte ein einnehmendes Wesen haben, über Charme verfügen und zu allem, was er äußerte, ja und amen sagen.

Als der Mann seine Blicke über mögliche Kandidatinnen schweifen ließ, da stach ihm auch schon, potztausend, eine Dame ins Auge, die schien geradezu seine Traumfrau zu sein.

Sie lernten sich besser kennen, und er entdeckte wohlgefällig viele Gemeinsamkeiten: Sie mochten beide Rudi Carell, verdrückten gerne mal heimlich einen kalorienhaltigen Windbeutel und gehörten derselben christlichen Partei an.

Wie so oft, wenn sich reife Menschen finden, verband die beiden nicht gerade die ganz große Leidenschaft, sondern mehr die nüchterne Vernunft und als solide Basis gegenseitiges Vertrauen.

Solange sie ihn den Boß spielen ließ und zu ihm aufschaute, lief alles problemlos.

Selbst als sie immer häufiger durch eigenwillige Kapriolen aus der ihr zugedachten Rolle fiel, ließ er sie in seiner onkelhaften Art wie ein ungebärdiges Kind gewähren, drohte ihr allenfalls scherzhaft mit dem Finger. Auch scherte er sich nicht weiter um das unwillige Stirnrunzeln seiner Freunde.

Dann aber bemerkte er verdrossen, daß sie immer beharrlicher ihre eigenen Wege ging, ohne auf ihn zu hören. Er begann an ihrer Treue zu zweifeln, witterte in jeder Straßenecke Kumpanei mit seinen ärgsten Konkurrenten. Zudem erlag er immer stärker den Einflüsterungen seiner Kumpel, denen ihre freizügige Art schon lange ein Dorn im Auge war.