Investoren wollen die östlichen Bundesländer mit Ferienparks und Freizeitzentren überziehen. Doch oft geht es dabei nur um Bodenspekulation.

Wer die Landkarte betrachtet, auf der die beabsichtigten touristischen Großprojekte und Golfplätze für die unmittelbare Umgebung Berlins eingetragen sind, bekommt Augenflimmern, so dicht liegen die Markierungen beieinander. Würde auch nur ein Bruchteil dieser Anlagen gebaut, dann käme es zu einem beispiellosen Landschaftsverbrauch. Bei dem zu erwartenden Überangebot wären zudem Bauruinen und Pleiten die Folge.

Mit dem Versprechen, durch Freizeitanlagen für Steuereinnahmen und Arbeitsplätze zu sorgen, versuchen immer mehr Unternehmen, die Gemeindevertreter in den neuen Bundesländern zum Geländeverkauf zu überreden. Um einer Überrumpelung der mitunter unerfahrenen Kommunalpolitiker entgegenzuwirken, hat das Institut für Landschafts- und Freiraumplanung der Technischen Universität (TU) Berlin zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Freizeit einen Kriterienkatalog erarbeitet, der helfen soll, den Nutzen eines Projekts realistisch einzuschätzen. Der Anspruch auf eine umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung, so mahnen die Wissenschaftler, bleibe sonst zunehmend auf der Strecke.

Im Umweltministerium Brandenburgs, das die Umweltverträglichkeit von Ferien- und Hotelkomplexen sowie von Golfplätzen prüfen muß, haben im letzten Jahr 55 Anfragen und Anträge für Freizeitcenter vorgelegen, davon 36 allein im Bereich des ehemaligen Bezirks Potsdam. Genehmigt wurden nur drei der Vorhaben. Von gewünschten 54 Golfplätzen dürfen nur 19 angelegt werden. Bisher hat das Ministerium auch noch kein Placet für den Freizeitpark Uetz-Paaren bei Potsdam gegeben, den die Berliner Klingbeil-Gruppe auf einer Fläche von 378 Hektar errichten will. Neben Hotels und Bungalows sollen auch ein Yachthafen, Squash- und Reithallen, 60 Tennisplätze sowie ein Golf- und ein Poloplatz entstehen.

Für Projekte in anderen Gegenden der ehemaligen DDR wird von den Antragstellern ebenfalls ein enormer Flächenbedarf reklamiert. So unter anderem für den geplanten "Weltfriedenspark" auf der Insel Usedom. Dort soll zugleich noch ein zweiter, nämlich der "Wild- und Erholungspark" Lieper Winkel gebaut werden.

Von einem 226 Hektar großen Gelände ist die Rede bei dem Vorhaben "Natur- und Freizeitpark Doberan Land" in der Nähe von Rostock, zu dem ein Yachthafen und Hotels mit 9000 Betten gehören sollen.

Hartmut Rein von der TU Berlin klagt, daß für die geplanten Projekte in der Regel "nicht einmal Ansätze einer seriösen Marktanalyse" vorlägen. Mit Besorgnis beobachtet er, daß die Investoren zunehmend "ein landschaftlich hoch attraktives Umfeld" bevorzugten und auch vor Naturschutzgebieten nicht halt machten.

Carl M. Wenzel, Freizeit-Unternehmensberater aus Hamburg, der sich auf internationale Erfahrungen berufen kann, vertritt die Meinung, daß viele der geplanten Unternehmungen primär als Vorwand für massive Grundstücksspekulationen dienten. Freizeitanlagen seien zudem keineswegs eine sichere lukrative Einnahmequelle. Allein im europäischen Raum seien in der zurückliegenden Zeit 120 Anlagen gescheitert, weil die Besucher ausblieben. Rosemarie Noack