Es ist ein Jammer. Eine nach der anderen gehen die guten alten Sitten zum Teufel. Noch in den fünfziger Jahren durfte der Bundesgerichtshof eine Mutter als Kupplerin bestrafen, weil sie ihrem Sohn erlaubt hatte, unter ihrem Dach mit seiner Freundin zu übernachten. Und bis in den Frühling letzten Jahres galt die patriarchalische Regel, wonach die Frau gefälligst den Namen des Mannes anzunehmen hatte, wenn sie sich mit ihm nicht auf den ihren einigen konnte. Das widersprach zwar dem Grundgesetz, aber wo keine Klägerin, da auch kein Richter.

Nun will der Bundestag ein neues Namensrecht beschließen. Der libertinöse Justizminister Klaus Kinkel möchte gar angehenden Eheleuten die freie Wahl lassen, je den Namen beizubehalten, den sie bereits als Ledige führten.

Da war aber Gott in den christlichen Parteien vor: Ein gemeinsamer Name „soll“ es doch wenigstens sein („muß“ geht nicht mehr, wegen der Verfassung). Was aber geschieht, wenn sich die Partner zwar über einen Doppelnamen mit Bindestrich einig sind, nicht aber über die Rangfolge (Adam-Zwitter oder Zwitter-Adam)? Dann muß, so trägt es nun auch die frauenpolitische Sprecherin der FDP, Uta Würfel, mit, das Los entscheiden. Jetzt braucht nur noch Bundesfamilienministerin Hannelore Rönsch überzeugt zu werden, daß dies nicht „menschenverachtend“ ist. H.S.