Er habe Angst vor dem Haß, der ihm im Bundestag entgegenschlage "aus Mündern und Augen und Haltung von Leuten". So steht es im Abschiedsbrief von Gerhard Riege, dem 61jährigen PDS-Abgeordneten, der Selbstmord begangen hat. Der Staatsrechtler und Hochschullehrer erhängte sich in seinem Garten nahe Jena. Es war bekanntgeworden, daß er in den Jahren zwischen 1954 und 1960 Zuträgerdienste für die Stasi geleistet hatte.

In einem kleinen Portrait von nur 27 Zeilen ist es dpa gelungen, Gerhard Rieges Leben fair zu schildern: die Karriere in der DDR, seine Zerrissenheit, die Lebenskatastrophe am Ende. In Bonn war er so gut wie unbekannt. Aber einige hat dieser Selbstmord doch aufgeschreckt. Schade, daß darunter bisher nicht ein einziger von den Zwischenrufern und Daueranprangerern in der Mehrheitsfraktion zu finden ist, die seine seltenen Reden genüßlich und aggressiv kommentiert haben. Im Parlament wird Ausgrenzung betrieben und Angst ausgelöst. Das Verhalten ist oft würdelos. Der Abschiedsbrief stammt aus der Feder eines PDS-Abgeordneten, der selber Stoff zur Kritik lieferte, unter dem andere litten – wer will aufwägen, wer will richten?

Professor Arnulf Baring hat in einer Talkshow dem Abgeordneten Hans Modrow (PDS), der kurze Zeit Regierungschef der untergehenden DDR war, entgegengeschleudert, er habe ihn nie für besonders intelligent gehalten. Das bewegt sich auf dem Niveau von Heinz Klaus Mertes, Chefredakteur beim Bayerischen Rundfunk.

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Man kennt sie, und man kennt sie nicht. Herbert Wehners "Stieftochter", hieß es immer, Greta. Wehner heiratete sie später, und sie umsorgte ihn bis zum Tod. Greta Wehner hält gelegentlich Reden. In Dresden, in Magdeburg, in Leipzig. Man muß nur lesen, was sie an die Alzheimer Gesellschaft in Dresden adressierte, um etwas von dem zu ahnen, wie ihre letzten Jahre mit Wehner ausgesehen haben.

"Ihnen hier in Dresden zu sagen, die Pflege von Kranken – die, zu Beginn noch relativ rüstig, deren geistige Fähigkeiten aber schrittweise bis auf die eines kleinen Kindes zurückgehen, bis zur Unfähigkeit, sich sprachlich zu äußern oder gar Sprache zu verstehen, dabei aber emotional empfänglich und äußerungsfähig bleiben – sei ‚zu bewältigen‘, fällt mir schwer."

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