Bei der Anlage im Ausland waren die Experten zu zögerlich

Von Renatus Beckers

Unter den wenigen neuen Produkten, die deutsche Investmentfonds in den vergangenen Jahren hervorgebracht haben, ragen die Laufzeitenfonds heraus; zumindest haben sie sich als Absatzrenner erwiesen. 9,7 Milliarden Mark flossen den Rentenfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland im Jahre 1991 zu. Das verdanken die Rentenfonds vor allem den Laufzeitenfonds, die erst mit der am 1. März 1990 in Kraft getretenen Novelle des Investmentrechts zulässig sind. Bei ihnen werden die Fondsmittel in Titeln angelegt, deren Laufzeit mit der des Fonds übereinstimmt. Da festverzinsliche Wertpapiere bei Fälligkeit mit hundert Prozent zurückgezahlt werden, gibt es bei Laufzeitenfonds kein oder nur ein minimales Kursrisiko. Der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften (BVI) stellt erfreut fest: „Über diesen Fondstyp ist es erstmals gelungen, breitere Anlegerkreise auch in einer Hochzinsphase an das Produkt Rentenfonds heranzuführen.“

Daß die Anleger in der Hochzinsphase nichts von klassischen Rentenfonds wissen wollen, ist durchaus verständlich, wen man auf die Performance blickt. Der Anstieg der Zinsen führt bei den festverzinslichen Wertpapieren zu Kursverlusten, dem sich auch die Rentenfonds nicht entziehen können. Der Dreijahreszeitraum, welcher der Analyse von Südprojekt zugrunde liegt, umfaßt neben der Hochzinsphase, in der die Rentenpapiere hohe Renditen abwerfen, eben auch die Etappe des Zinsanstiegs, der mit Kursverlusten für die alten, umlaufenden Wertpapiere verbunden ist. So ist denn die Bilanz der Rentenfonds für den Anleger sehr enttäuschend. Der beste in deutschen Rentenwerten anlegende Fonds, der Basis-Fonds I, brachte es in drei Jahren gerade auf ein Plus von 21,5 Prozent, was einer Jahresverzinsung von 6,7 Prozent entspricht. Allerdings wurde der DB-Index Bundesanleihen deutlich übertroffen.

Das Jahr der Anleihen

Ein Laufzeitenfonds schützt zwar vor dem Kursrisiko – aber was macht ein Sparer am Ende der Laufzeit, wenn eine Wiederanlage der Mittel ansteht? Er muß dann mit einer geringeren Rendite vorliebnehmen. Mit dem Laufzeitenfonds sichert sich der Anleger seine hohe Rendite nur für eine kurze Zeit. Ob sich die Sparer dieser Tatsache bewußt sind? Eigentlich kann ein Laufzeitenfonds ohne Wenn und Aber nur einem Sparer empfohlen werden, der das angelegte Geld zum Ende der Laufzeit für eine größere Anschaffung oder eine Ablösung von Schulden verwenden will. Für Leute mit regelmäßigem Wiederanlagebedarf schlägt die Stunde der Wahrheit am Ende der Laufzeit. Für die Kapitalanlagegesellschaften möglicherweise auch, wenn die Sparer spüren, daß sie über diese Konsequenzen nicht aufgeklärt wurden.

1991 war das Jahr der Anleihen, zumindest wenn man sich an den richtigen Märkten engagiert hatte. Der Anlageerfolg (Kursgewinn und laufende Verzinsung) betrug in Australien über zwanzig Prozent, in Kanada rund achtzehn Prozent. Diese Entwicklung kommt im Index (Salomon Brothers World Index) naturgemäß nicht zum Ausdruck. Aber auch die Fonds mit Anlageschwerpunkt internationale Renten konnten davon nicht profitieren.