Den Kunstpark „Zweistromland“ wird es nicht geben – Anselm Kiefer scheitert mit seiner großen Idee

Buchen

Ein kunstvoller Plan ist geplatzt. Nach jahrelangem Hin und Her um ein dreißig Hektar großes Gelände steht seit dem Wochenende fest: Anselm Kiefer, die internationale Kunstgröße, wird seinen geplanten Kunstpark „Zweistromland“ im Odenwaldstädtchen Buchen nicht realisieren können. Vier große Ateliers und Ausstellungshallen und über 20 000 Quadratmeter der Buchener Jungviehweide sollten dazugehören, mit Skulpturen inmitten von Sträuchern, Hecken und natürlich dünnem Kiefernbewuchs. Es sollte laut Bürgermeister Josef Frank, dem größten Förderer des Projekts, „eine harmonische Einheit von Kunst und Natur“ entstehen, „eine Einrichtung mit Weltbedeutung“. Doch daraus wird nun nichts – es fehlt das Geld.

Mit zwanzig Millionen Mark wollte Anselm Kiefer, der schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in Buchen lebt, den Kunstpark finanzieren. Das schien nicht weiter schwierig zu sein: schließlich mußte sich der 47jährige Beuys-Schüler in der Vergangenheit ums Geld nie sorgen. Amerikanische Kritiker bescheinigten dem Künstler Ende der achtziger Jahre, der „beste Maler seiner Generation auf beiden Seiten des Atlantiks“ zu sein; auf dem Kunstmarkt werden Millionensummen für seine großformatigen Bilder bezahlt.

Verkauft hat Kiefer davon aber immer nur so viele, wie notwendig war, sein 4000 Quadratmeter großes Atelier im Buchener Industriegebiet unterhalten und seine neunzehn Assistenten bezahlen zu können. Die übrigen Werke haben er und seine Frau behalten, um sie in den Kunstpark „Zweistromland“ einzubringen. Das Kiefersche Schaffen sollte möglichst an einem Ort bleiben.

Auf nach New York

Jetzt liegt die Arbeitsstätte, das Fabrikgelände in der Dieselstraße, trist und verlassen da: Drahtgestänge, in eine orangefarbene Tonne gestopft, rostige Stahlträger, zwei ausrangierte Förderbänder. „Das Atelier bleibt heute geschlossen“, steht am Tor. Allen Assistenten, außer einer Mitarbeiterin, hat Kiefer zum Monatsende gekündigt; er selbst macht sich nach New York auf, wo er künftig leben und arbeiten will.