Schon eindrucksvoll, so eine brandneue "Einseilumlaufbahn mit 8-Personen-Kabine". Die schaufelt was weg. Menschenmassen sind kein Problem mehr. Keine Schlangen, keine Wartezeiten, und seien die Parkplätze noch so dicht belegt.

Und voll sind die Parkplätze an diesem sonnigen Wintersamstag. Papageienbunte Gestalten quellen im Sekundentakt aus ihren farbigen Kisten, laden sich ihre Skier auf die Schultern und mischen sich auf dem Weg zur Talstation unter ein gutgelauntes, schnatterndes Völkchen. Seilbahneröffnung im österreichischen Leogang, dem "verträumten Gebirgsort nah der Sensationen des alpinen Lebens" – das sind Blasmusik und Freifahrkarten, Politikerreden und Skischuhgetrappel, Ellbogenchecks und Skistockgefechte, Autoblech und Abgase.

Dann schon lieber Schwarzleo. Kaum zwei Kilometer das Pinzgauer Saalachtal bergan, führt ein kleiner Fuhrweg im Bachgrund entlang. Durch den verschneiten Winterwald geht es hinauf zum Schaubergwerk. Am Parkplatz die Tourenskier raus, die Mohairfelle über den Belag geklebt, Thermoskanne und Stullen in den Rucksack gepackt, Lawinensender eingestellt – und los, dem Spielberghorn entgegen, zu Ski, ohne Kabinenbahn.

Im flauschigen Pulver liegt schon eine Aufstiegsspur. Gemächlich führt die Strecke über die Wiesen bergan, vorbei an der Vogleralm. Langsam steigt die Morgensonne über dem Asitz auf und wärmt, als sei es schon März. Die Skijacken verschwinden in den Rucksäcken. Gesprochen wird nicht mehr. Zu hören sind nur noch das leise Knarren der Skischuhe in den Bindungen, das Schubbern der Steigfelle auf dem Schnee und das eigene Keuchen.

Gerald, der in Salzburg Politik studiert, führt die kleine Gruppe. "Beim Touren", sagt er, "da spüre ich, daß ich lebe, da komme ich zu mir." Skibergsteigen ist für ihn eine Art Entschlackungskur. Gedanken an Stadt, Job und Studium weichen der Konzentration auf die Bewegung, das regelmäßige Anziehen der Oberschenkel, das Vorschieben der Skispitzen am Hang. Und nach ein paar hundert Höhenmetern, wenn der Aufstieg allmählich zur Anstrengung wird, tritt im Innern Ruhe ein.

Am Kamm des gegenüberliegenden Berges blinken die Stahlstützen der neuen Asitz-Seilbahn in der Sonne auf. In der Talstation, so werden wir später erfahren, spielt die Blaskapelle den Gondeln zu Ehren auf, der Pfarrer segnet das neue Bauwerk ein, und der Direktor rühmt die umweltschonend gebaute, unterirdische Mittelstation, durch die, wie es heißt, ein fünfstöckiges Gebäude am Hang vermieden worden sei. Die Pistentouristen, mit Freikarten angelockt, wollen nichts hören; sie schieben und schubsen, drücken mit Ellbogen und Skistöcken, scharren mit den Plastikschuhen auf dem Boden. "Wann geht’s endlich los", ruft jemand respektlos von hinten. Irgendwann öffnen sich schließlich die Türen, und die industrielle Verlagerung der städtischen Lebensweise bis auf den Gipfel kann beginnen.

Der Blick wandert vom stahlbewehrten Asitz zurück aufs stille Spielberghorn. In den Felstürmen unter dem Gipfel springen Gemsen umher, und über der Schneewüste kreisen Vögel, als wollten sie die Besucher willkommen heißen. Gerald, der Erfahrenste der Gruppe, steigt voran. Wo es steiler wird, tastet er sich nur noch langsam vor. Die Angst vor Lawinen und die Geschichten von tödlichem Leichtsinn naiver Skibergsteiger haben ihn vorsichtig gemacht.