Die Parallelität der Ereignisse drängt sich auf: Als der Golfkrieg drohte, stiegen die Ölpreise, als er ausbrach, fielen sie wieder. Und als die Opec-Länder in der vergangenen Woche in Genf zu einer viertägigen Sitzung zusammentraten, ging der Preis ebenfalls nach oben, nach dem Abschluß der Konferenz gab er wieder nach. Vor diesen beiden Ereignissen fürchteten die Ölverbraucher jeweils eine Verknappung, die es dann doch nicht gab.

Denn was die Opec jüngst beschlossen hat, kann die Verbraucher nicht das Fürchten lehren. Knapp 23 Millionen Barrel Öl täglich wollen sie nur noch fördern, aber das ist genug, um den Bedarf zu decken. Und außerdem ist es keineswegs sicher, daß diese Obergrenze auch eingehalten wird – schließlich zeigt Saudi-Arabien wenig Neigung, wieder einmal die Hauptlast der Anpassung zu tragen.

Dabei haben die Opec-Länder durchaus Anlaß, mit der Preisentwicklung unzufrieden zu sein. Der Durchschnittswert für sieben ausgewählte Referenzöle liegt seit Wochen um mehr als vier Dollar unter dem Richtpreis, den die Opec auf 21 Dollar je Barrel (159 Liter) festgelegt hatte. Deswegen forderten vor allem kleinere Opec-Mitglieder wie Algerien eine Sondersitzung, um neue Förderquoten festzulegen.

Nachdem der Irak im August 1990 nach Kuwait einmarschiert war, hatte die Organisation alle Mengenbeschränkungen aufgehoben, weil plötzlich zwei Opec-Mitglieder als Lieferanten ausfielen: Aus Kuwait kam kein Öl mehr, und der Irak durfte nur noch nach Jordanien exportieren. Diese Produktionsausfälle mußten aufgefangen werden, weil die Golf-Araber den zu Hilfe eilenden westlichen Alliierten versprochen hatten, den Ölpreis unter Kontrolle zu halten.

Saudi-Arabien hat eine außerordentliche Opec-Zusammenkunft bisher abgelehnt. Abwarten hieß die Devise angesichts des Preisrutsches. Doch die Ölpreise haben sich nicht erholt, weil der Markt reichlich bedient wird. Und das kann sich nur ändern, wenn die Opec zu einer eisernen Mengendisziplin findet.

Doch die ist in weiter Ferne. Denn das Kartell ist in zwei Lager gespalten. Die Mehrheit ist weiterhin für den im Sommer 1990 festgelegten Richtpreis von 21 Dollar. Dazu gehören neben den Mitgliedern wie Ecuador, Algerien und Gabun auch Libyen, Indonesien, Nigeria und der Iran, der zweitgrößte Opec-Produzent. Sie alle wollen so viel einnehmen wie irgend möglich. Finanzielle Sorgen zwingen dazu: Einige haben, gemessen an ihrem Sozialprodukt, eine viel zu große Auslandsverschuldung. Und der Iran leidet noch unter den Folgen des ersten Golfkrieges gegen den Irak. Über die Fördermenge können diese Länder ihre Einnahmen nicht mehr erhöhen, sie pumpen bereits an der Obergrenze ihrer Kapazitäten. Es geht nur über den Preis.

Deshalb fordert diese Opec-Fraktion einschneidende Produktionskürzungen, zumal eher ein weiterer Preisverfall droht. Denn Kuwait drängt schneller auf den Markt zurück, als die brennenden Quellen in dem Scheichtum noch, vor ein paar Monaten erwarten ließen. Bis zum Ende dieses Jahres will Kuwait seine Kapazitäten nahezu vollständig wieder aufbauen. Auch der Irak repariert seine Ölförderanlagen so schnell wie möglich. Vor der Invasion entsprach die Produktion der des Nachbarn Iran. Auf Kuwait und den Irak zusammen entfielen vor dem Krieg etwa ein Fünftel der Opec-Produktion von damals etwa 22 Millionen Barrel pro Tag. Zur Zeit schwankt sie zwischen 24 und 25 Millionen Barrel – ohne Irak.