Früher, als alles noch schöner war, früher war die Welt noch in Ordnung. Da war links gut und schön – und rechts böseböse. Rechts standen Strauß und Löwenthal Seit’ an Seit’, und links kämpften brüderlich mit Herz und Hand Heinrich Böll und Willy Brandt.

Dann wendete sich alles. Die Schriftsteller waren nun plötzlich nicht mehr schön und gut, sondern schon nach ein paar Wochen Aufenthalt im Johannes-R.-Becher-Ferienheim der Macht erlegen. Sie hatten an die bessere Welt auf Märkischem Sand geglaubt und sich mit ein paar Sonetten in einen staatsterroristischen Verein eingekauft. Links war nun gar nicht mehr gut.

Und dann das: der Türke Ali, der Mann, der Hans Esser bei Bild war und Pförtner bei Gerling und Grauer Wolf bei Franz Josef Strauß, der Systemveränderer Günter Wallraff – ein Agent der ostzonalen Staatssicherheit. Ein hoher Offizier der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) flüstert uns das Geheimnis ins Ohr: „Wallraff war einer unserer wichtigsten Einfluß-Agenten zur Destabilisierung der Bundesrepublik.“

Aber ja doch: Hat Wallraff nicht jahrelang im Dreck gewühlt, die freie Marktwirtschaft unterminiert, wo er nur konnte, den Unternehmern vorgeworfen, sie hielten Lohnnebenkosten niedrig, indem sie Leiharbeiter beschäftigten, hat er nicht die Waffengeschäfte der westdeutschen Industrie angeprangert, die Gewinnmaximierung durch Umweltzerstörung? Natürlich konnte das nur einem Agenten Pankows auffallen!

Bloß gut, daß wir Super! haben, denn ohne dieses fortschrittliche Aufklärungsorgan müßten wir weiter glauben, in der alten Bundesrepublik sei es nicht zum besten bestellt. Das hatte uns dieser Agent, dieser Wallraff doch immer eingeredet.

Enttarnt hat den Miesepeter dankenswerterweise Heinz van Nouhuys. Von ihm heißt es, er schreibe, wie er Auto fahre, nie unter zwei Promille. Nouhuys kennt sich aus, darf man ihn doch einen „Doppelagenten“ nennen. Wer sonst wüßte so genau Bescheid über die Arbeit des Undercover-Manns Wallraff alias „Walküre“ alias „Wagner“? Ehe er im Auftrag des Ostens als alias Ali den Thyssen-Konzern destabilisierte, rüstete ihn die Stasi mit „Verkleidung, Schminkutensilien und falschen Dokumenten“ aus. (Und der Bart! Von wem war der Schnurrbart?? Wir warten.)

Die angeblichen Enthüllungen der Ultra-Bild-Zeitung bräuchten keinen Wessi zu kümmern; schließlich bekommt er sie kaum zu Gesicht. Allerdings leben im destabilisierten Westen genügend Einfluß-Agenten der aus dem Osten herübertönenden Moritatenschau.