Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling ist ein glühender Anhänger der Marktwirtschaft. Nach deren Spielregeln muß gehen, wer teure Fehlentscheidungen zu verantworten hat. Würde der Postminister entsprechend handeln, dürfte er keinen Tag länger im Amt bleiben. Schließlich war er es, der die Verkabelung der Republik zur Förderung des Privat-TV forciert und damit der Telekom eine Fehlinvestition aufgebürdet hat, die dem Unternehmen jährlich mehr als eine Milliarde Mark Verluste beschert.

Dieses finanzielle Desaster war schon früh von Fachleuten prognostiziert worden. Doch Schwarz-Schilling ließ sich davon in seinen hochfliegenden Plänen nicht beirren.

Nun sitzt die Telekom in der Klemme. Um ihre Verluste im Kabelgeschäft nicht noch weiter ausufern zu lassen, hat sie eine Gebührenerhöhung um bis zu zwanzig Prozent beschlossen. Ob dieser Schritt allerdings tatsächlich die gewünschte Wirkung zeigt, ist keineswegs sicher. Die Anhebung reicht nämlich noch lange nicht aus, um in diesem Bereich aus den roten Zahlen zu kommen. Weitere werden folgen müssen. Je teurer Kabelfernsehen aber ist, desto attraktiver wird für potentielle Interessenten die Alternative: der Satellitenempfang. Wer Programmvielfalt über Parabolantennen genießt, ist vor Gebührenerhöhungen jedenfalls sicher. mhf