Als „Schlußwort“ hat Hans-Ulrich Klose Kritik am steuerpolitischen Kurs der SPD geübt, was nicht gutgehen konnte. Prompt brach die Woge der Kritik aus der Fraktion über ihm zusammen. Die SPD habe die Länderinteressen falsch eingeschätzt. Wieder werde sie der „Einheitsverweigerung“ verdächtigt. Und sie habe übersehen, daß beide Seiten im Bundesrat keine Mehrheit hätten. Alles richtig. Gut getönt.

Aber die SPD-Fraktion hat sich – wie die Partei – früh auf ein „Nein“ festgelegt, Klose stand noch nicht an ihrer Spitze. Damit begann der Selbstbetrug. Die meisten Länder neigten nämlich zum „Jein“. Oder sie wollten ein „Ja“, wie Engholm, Schröder (und Klose). Aber alle verpflichteten sich aufs „Nein“, eine denkbar unsolide Basis. Plötzlich wollte keiner – wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe! – mehr wahrhaben, was herauskommen müßte.

Daß sie diese Linie nicht alle durchhielten, kann Oskar Lafontaine – der Verlierer – ihnen verübeln. Er hat auch prinzipiell recht. Aber er hat sich darin getäuscht, die Regierung auf Ehrlichkeit und die Verhältnisse auf ein Prinzip verpflichten zu können. Das Ergebnis: Lafontaine wütet, und die Fraktion prügelt Klose, als möchte sie ihn nach hundert Tagen schon wieder Joswerden. Das hat er nicht verdient, nicht für die paar offenen Worte. G. H.