Von Gunhild Freese

Klaus Mangold ist "relativ optimistisch, die richtige Company gewählt zu haben". Der Mann, seit gerade einem Jahr stellvertretender Vorstandschef des Fürther Großversandhauses Quelle und seit August an der Spitze des Unternehmens, konnte dieser Tage einen Jahresabschluß präsentieren, der seinesgleichen sucht.

Der Umsatz der Handelsgruppe kletterte um fast 17 Prozent auf 14,7 Milliarden Mark, allein der Versandhandel legte knapp 25 Prozent zu. "Eine Branche mit Zukunft", freut sich der Handelsneuling, der vor seinem Wechsel zu Quelle Chef der Freiburger Chemiefaser- und Zigarettenfilterfirma Rhône-Poulenc Rhodia war.

Doch auch seine Konkurrenten können sich im Rückblick auf das Jahr 1991 tüchtig die Hände reiben. So qualifiziert der Hamburger Otto-Versand die vergangenen zwölf Monate schlicht als "Ausnahmejahr" mit einem Wachstumsschub von "deutlich mehr als dreißig Prozent". Schon im Geschäftsjahr zuvor, das am 28. Februar 1991 zu Ende ging, hatten die Hamburger ihren Umsatz um 32 Prozent auf 8,7 Milliarden Mark steigern können.

Auch die Frankfurter Neckermann AG, Versandtochter des Essener Warenhauskonzerns Karstadt, hat allen Grund zum Jubeln: Im vergangenen Jahr weitete die Nummer drei unter den heimischen Versendern ihren Umsatz gleich um über 37 Prozent auf 3,3 Milliarden Mark aus.

Den Grund für solche Umsatzsprünge lieferte die Vereinigung der beiden deutschen Staaten, die, so Otto-Chef Michael Otto, dem Einzelhandel "schlagartig ein Kaufkraftpotential von sechzehn Millionen Menschen" bescherte.

Die Versender wußten die Gunst der Stunde zu nutzen. Pünktlich zum Start in die Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli 1990, als die D-Mark in Ostdeutschland einzog, waren sie präsent mit ihren Bestellzentren, Agenturen und Reparaturstellen. Ein glücklicher Zufall wollte es überdies, daß just zu dem Termin auch der neue Herbst/Winter-Katalog fertig war. "So gab es für uns gar nicht die Möglichkeit, für den ostdeutschen Markt einen eigenen Katalog zu erstellen", freut sich heute Quelle-Chef Klaus Mangold. Ein unschätzbar strategischer Vorteil, denn nun fühlten sich die konsumhungrigen Ostbürger jedem Westler gleichgestellt: Sie konnten aus demselben Angebot wählen und zu den gleichen Bedingungen, was Zahlungs- und Kreditkondiditionen, Tausch- und Rückgaberecht anlangt, einkaufen. "Damit", so Mangold, "haben wir einen hohen Glaubwürdigkeitsvorsprung erworben."