Von Rüdiger Dornbusch

Die achtziger Jahre waren kein gutes Jahrzehnt für die amerikanische Ökonomie. Zwar konnten rund fünfzehn Millionen Jobs neu geschaffen werden, aber diese ausgesprochen positive Entwicklung wurde von dem Absturz in die wirtschaftliche Instabilität und abnehmendem Wohlstand weit überschattet. Noch vor wenigen Jahren war es üblich, Europa wegen seiner verkrusteten Arbeitsmärkte, der nur sehr zurückhaltenden Deregulierung seiner Wirtschaft und einer vorsichtigen Fiskalpolitik zu kritisieren – heute können die Europäer mit Recht behaupten, daß Amerika später als erwartet, dafür aber um so vehementer die Rechnung für eine frivole und verfehlte Wirtschaftspolitik präsentiert wird.

Auswege aus dem Dilemma können nur orthodoxe Strategien liefern. Angebotsökonomen, die das theoretische Rüstzeug für das Mißmanagement der achtziger Jahre schufen, sind seltsam still geworden. Die Zeit der Quacksalber ist vorbei: Die Risse im Wohlstandsgefüge der USA sind einfach zu deutlich.

Nirgends zeigt sich dies klarer als im Verhalten der amerikanischen Konsumenten. Ihr Vertrauen in die eigene Zukunft und die ihres Landes ist schwer erschüttert. Der Durchschnittsamerikaner weiß, daß es ihm heute schlechter geht als vor zehn Jahren: Sein Einkommen ist kaum gestiegen, seine Schulden dagegen sind gewachsen. Deshalb setzte sich auch die wirtschaftliche Erholung nicht durch, die sich im vergangenen Sommer andeutete. Bankenpleiten und verfallende Immobilienwerte weisen darauf hin, daß hier ein Kartenhaus zusammenbricht.

Natürlich übertreiben die Verbraucher in ihrem Pessimismus. Die USA sind nicht bankrott, die große Depression der dreißiger Jahre wird sich nicht wiederholen, und die meisten Amerikaner werden auch künftig nicht ihre Miete an japanische Hausbesitzer zahlen. Aber daß der Optimismus der achtziger Jahre nun wie eine Seifenblase zerplatzt, könnte die durchaus heilsame Wirkung haben, die Politik zu verbessern. Gründe dafür gäbe es genug:

  • Seit 1980 sind die Schulden der privaten Haushalte von 75 auf 100 Prozent ihres verfügbaren Jahreseinkommens gestiegen. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, wird die Schuldenlast immer spürbarer.
  • Die Reallöhne sind gleichzeitig ständig gefallen. Familieneinkommen sind nur deshalb gewachsen, weil immer mehr Familienmitglieder für immer weniger Geld arbeiten.
  • Die Zahl der Arbeitsplätze nahm zwar insgesamt zu, nicht aber die Zahl der wirklich gut bezahlten Jobs – im Gegenteil: Im verarbeitenden Gewerbe ging die Beschäftigung in den achtziger Jahren um zehn Prozent zurück.
  • Das Haushaltsdefizit, die wachsende öffentliche Verschuldung und die steigenden Schulden gegenüber dem Ausland gelten immer mehr Amerikanern als gravierende ökonomische Probleme. Letztendlich, so das weitverbreitete Gefühl, wird für die Defizite jeder zahlen müssen.
  • Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der USA steht auf dem Spiel. Immer schlechtere Leistungen im Bildungswesen und in der Industrie

Rüdiger Dornbusch ist Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge/USA