Wenn Sie schlampig sind

Vor mehr als dreißig Jahren landete der zugereiste Ungar George Mikes einen weltweiten Lach-Bestseller mit dem Titel „How to be an allen“. Wenn man so will, ein Benimm-Ratgeber ex negativo: Was man als Ausländer in Großbritannien alles in der Öffentlichkeit tun und lassen sollte, um ganz bestimmt nicht für einen Einheimischen gehalten zu werden.

Jetzt schlägt Laune Graham zu. All jenen, die bislang voller Neid auf die feinen Sitten der Briten geblickt haben, schenkt sie Hoffnung und handfeste Ratschläge: „Die social graces sind lernbar.“ Und Lauries „Handbuch der feinen englischen Art“ (dtv) schreckt vor keiner Herausforderung der neunzigerjahre zurück: Knoblauchfahnen, Dreitagebärte, Katastrophen im Bett mit zwei oder drei Unbekannten – alles läßt sich regeln, sofern man nur weiß, wie. Heikle Situationen wie „Mangelnde Bekleidung“ lassen Graham zu Höchstform auflaufen. „Zerrissene Höschengummis gehören praktisch der Vergangenheit an. Höschen haben heutzutage meistens ein Elastikband, das langsam verschleißt und Sie ausreichend vorwarnt. Aber wenn Sie schlampig sind und nicht darauf achten, finden Sie sich vielleicht doch mit um die Knöchel schlackernden Slips nieder. Sollte das passieren, ahmen Sie am besten Barbara Castle nach, eine der stilvolleren Darstellerinnen auf der politischen Bühne, die vor vielen Jahren auf der Parliament Street zu London ihr Höschen verlor. Was tat sie jetzt? Denken Sie nach. Was konnte sie tun? Sie stieg heraus, hob es auf und steckte es in ihre Handtasche. Ich kann nur folgendes hinzufügen: Wenn Sie keine Handtasche haben, steigen Sie heraus, kicken Sie das Höschen beiseite und gehen weiter.“

Beschwerdesimulation

Mit erheblicher Verzögerung hat das computergestützte Ausbildungswesen auch die Gastronomie erreicht. Wie der britischen Times zu entnehmen ist, hat Richard Margetts, Dozent für Ernährungswesen am Granville College in Yorkshire, ein Computerprogramm für die Kellnerausbildung entwickelt, das nörgelnde Restaurantgäste simuliert. Der Computer fragt zunächst ein Kundenprofil ab („Könnte ich ein Tourist sein? Bin ich allein oder eine Gruppe? Wieviel Alkohol habe ich wohl schon getrunken?“) und geht dann zum Rollenspiel über – er spielt den schimpfenden Gast (je nach Voreinstellung verärgert, unhöflich oder diskussionsfreudig), während der Kellneranwärter versuchen muß, ihn mit der richtigen Antwort zu beruhigen. Wie der Erfinder versichert, werden sogar Beschwerden von Leuten simuliert, die sich in Lokalen routinemäßig beschweren, um eine Mahlzeit gratis zu bekommen. Die Idee zu dem Programm kam Margetts übrigens, als ihn einmal in einem Hotel sowohl der Rezeptionist als auch der Restaurantkellner schlichtweg ignorierten – und der Geschäftsführer versicherte, das Personal lasse sich ja nichts sagen. Die Technik hilft, wo sie kann.