Das Leben ist beängstigender als die Kunst. Wenn man im Leben scheitert, kann das gefährlich sein. Wenn man in der Kunst scheitert, ist das bloß peinlich.

Ich war vierzig, als ich den „Stadtneurotiker“ drehte, und jetzt bin ich 56. Mit den Jahren ändert man sich halt, die Probleme ändern sich – nein, vielleicht bleiben die Probleme dieselben, aber man sieht sie anders. Tiefgründiger. Das läßt sich mit den Mitteln der Komik nicht artikulieren. Die Komödie bleibt auf Distanz zum Thema und zieht sich irgendwann mit einer Pointe zurück. Das ist mir zu denfensiv. Ich will auf Konfrontation gehen... Der „Stadneurotiker“ war eine Pose. Das war ja nicht ich. Das war eine Figur, die die Probleme ihrer Zeit wiederspiegelte, und einige dieser Probleme waren auch meine. Und sind es immer noch. Ich bin immer noch ein Städter, und ich bin immer noch neurotisch.

Ja, meine Filme werden immer kleiner. Und auch mein Publikum wird kleiner. Aber das nehme ich in Kauf. Ich hätte mit der Komödienmasche weitermachen können, dann wären alle zufrieden. Nur ich nicht... Es stimmt ja nicht, daß mein Publikum mich verlassen hat. Ich habe mein Publikum verlassen.

Woody Allen in einem Interview mit dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“, 14. Februar 1992

Sehr geehrte Herren

Ob Loriot seine Töchter für fähig halte, nach Loriots Tod Loriots Frau auf die Straße zu setzen, fragte André Müller Loriot. Seine Töchter nicht, antwortete Loriot, „aber vielleicht ihre Männer, was weiß ich“. Beim Lesen dieses Satzes packte Loriot die Reue, und er schickte uns diesen Leserbrief:

„Sehr geehrte Herren, in der ZEIT Nummer 7 stand das Gespräch zwischen André Müller und mir. Ich weiß, daß es gegen die Spielregeln verstößt, im nachhinein noch diese oder jene vorteilhafte Retusche auf dem eigenen Porträt anbringen zu wollen. Das will ich auch nicht. Es geht um meine Schwiegersöhne, die völlig grundlos in ein unsympathisches Licht gerieten. Beide haben mir zu den erwähnten Überlegungen niemals auch nur den geringsten Anlaß gegeben. Schuld an meinem Geplapper sind einige Sekunden geistiger Umnachtung, die jeder kennt, der mal vier Stunden von einem wachen Journalisten interviewt worden ist.“