Geliebter Führer

Wer ist das: „Genius der Literatur, der Architektur und des Militärwesens“? Nach wem werden Berggipfel und Begonien benannt? Richtig, es muß sich um ein Exemplar der bedrohten Art stalinistischer Diktatoren handeln. Kim Jong II, der Sohn des nordkoreanischen Partei- und Staatsführers Kim Il Sung, wurde am vergangenen Sonntag fünfzig Jahre alt. Anläßlich des Geburtstags, so berichtet die staatliche Nachrichtenagentur, gebe es Buchmessen und Photoausstellungen zu Ehren von Kim Jong Il in zwölf Ländern, darunter Jordanien und Italien, Algerien und Madagaskar. Die internationale Wertschätzung sei enorm. So habe auf einer Universitätsversammlung im Kongo der Generalsekretär der dortigen Kommunistischen Partei gesagt, der Sozialismus könne „nur aufrecht verteidigt und gestärkt werden, wenn alle Menschen ihr Schicksal völlig in die Hände des Genossen Kim Jong Il legen“. Von der Größe des „geliebten Führers“ erbaut, nannte ein Mitglied des Errettungskomitees des Volkes von Mali Kim Jong Il gar ein „Konstruktionsgenie“.

Kleinere Löcher

Kühlschränke sind Teufelszeug. Das aus ihnen leckende FCKW hat Ozonlöcher in den Himmel gefressen, jetzt sind unsere Träume dran. Der Traum eines restlos vereinten Europa zum Beispiel. Daraus wird nichts – die Schweiz kann nicht mitmachen. Dort sind Kühlschränke 55 Zentimeter breit, im Rest Europas 60 Zentimeter. Bislang haben die Schweizer Kühlschrankproduzenten den heimischen Markt fest im Griff, mit der Einführung der EG-Normen würde sich dies ändern. Kein Wunder, daß mancher Schweizer die Beitrittspläne auf Eis legen möchte. Wie wäre es mit folgendem Argument gegen ein vereintes Europa: Kleinere Kühlschränke fressen kleinere Löcher.

Gottesstaat

Ein vierzehnjähriges Mädchen ist jahrelang vom Vater einer Schulfreundin sexuell mißbraucht worden. Jetzt ist es schwanger, und ein Gericht wurde eingeschaltet. Der Richter Declan Costello hat die Abtreibung verboten. Außerdem hat er festgelegt, daß das Mädchen in den nächsten neun Monaten das Land nicht verlassen darf. Die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft gelte in diesem Fall nicht, sagte der Richter, man dürfe durchaus wegen „tief empfundener Überzeugungen in moralischen Fragen“ vom EG-Recht abweichen. Irland heißt das Land und ist ein katholischer Gottesstaat. Fundamentalisten sind überall.