Porsche in der Krise, VW auf Chefsuche: Ferdinand Piech spielt die Schlüsselrolle

Von Heinz Blüthmann

Er ist reicher als alle Autobosse dieser Welt, ausgenommen Fiat-Boß Giovanni Agnelli und Japaner wie Eiji Toyoda (Toyota). Er hat mehr Benzin im Blut als die meisten seiner Kollegen. Vor allem aber treibt Ferdinand Piech ein unbändiger Ehrgeiz. Und der hat ihm zu einer einzigartigen Position verholfen: Piëch ist der Mann der Stunde in der deutschen Autoindustrie. Niemand macht derzeit mehr Schlagzeilen als er. Die Fäden, die er zieht, reichen von Porsche und Audi zu Volkswagen und BMW.

Ferdinand Piëch hat es schon heute am weitesten gebracht von allen Enkeln des legendären, 1951 verstorbenen Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, der den ersten Sportwagen mit diesem Namen entwarf und damit auch die Basis für das weltweit bekannte Unternehmen in Zuffenhausen schuf. Kraft Erbe gehörten Piëch zehn Prozent der Technik-Schmiede Porsche, die auf einen Marktwert von drei Milliarden Mark geschätzt wird. Außerdem besitzt er Anteile an der Salzburger Familien-Holding mit ähnlich ansehnlichem Vermögen, die Banken, Versicherungen, Hotels und exklusiv den Import von Volkswagen, Audi und Porsche nach Österreich betreibt. Hauptberuflich leitet der 54jährige Piëch seit 1988 die Volkswagen-Tochter Audi in Ingolstadt. Und weil er das mit großem Erfolg tut, winkt ihm nun auch noch der Chefjob ganz oben – an der Konzernspitze von Volkswagen in Wolfsburg.

Für den VW-Chef Carl H. Hahn wird nämlich schnell ein Nachfolger gesucht und vermutlich bereits in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 10. April gekürt. Hahn hat zwar seinen Vertrag zwei Jahre über das 65. Lebensjahr hinaus bis Ende 1993 verlängern lassen – angeblich weil er wegen der vielen neu angekurbelten Expansionsprojekte in der Tschechoslowakei (Skoda), Portugal (gemeinsame Großraumlimousine mit Ford) und China an der VW-Spitze unabkömmlich ist. Tatsächlich konnte sich der Aufsichtsrat unter dem Vorsitzenden Klaus Liesen, Chef der Ruhrgas, im Herbst 1990 nicht auf einen Hahn-Nachfolger einigen. Als Kandidaten für den Topjob im Konzern (Marken: VW, Audi, Seat und Skoda) standen damals zwei Männer zur Wahl: Daniel Goeudevert, der VW-Markenvorstand mit dem intensiv gepflegten Querdenker-Image, und Ferdinand Piëch.

Beachtliche Fortschritte

Der Audi-Chef, zuvor Leiter des Entwicklungsressorts, hatte zu der Zeit noch keine guten Karten. Er galt selbst im Wolfsburger Konzern als eigenbrötlerisch, sprunghaft und nicht fähig zur Teamarbeit und Motivation der Mitarbeiter. Als typisch für ihn galt ein Spruch, den er auf einer Führungskräftetagung im Oktober 1988 in Badgastein losließ. "Mit 15 Prozent von Ihnen bin ich zufrieden", erklärte er damals den konsternierten Audi-Managern, "mit 45 Prozent will ich gern zusammenarbeiten, wenn die Leistungen besser werden, und vom Rest werde ich mich wohl trennen müssen."