Irgendwann letzte Woche (oder wann?) lasen wir in irgendeiner Zeitung (oder wo?), daß irgendein Fernsehmagazin (oder wer?) wieder mal eine sensationelle Entlarvung, Enthüllung, Bloßstellung (oderwieoderwas?) vorhabe.

In aller Kürze: Frauen sollen der Fernsehöffentlichkeit vorgeführt werden, die ihre Karriere weniger ihrer beruflichen Könnerschaft als ihrer sexuellen Willfährigkeit verdanken. Die sich nicht nach Männerart hochgedient, sondern nach Weiberart hochgeschlafen haben. Frau geil, Karriere steil, alles klar. Doch vor dem schnellen Griff zur Fernbedienung wollen wir dem prekären Thema ein kleines philosophisches Intermezzo widmen.

Dabei gestehen wir gern eine gewisse Kümmernis ein. Überall draußen in der Welt scheint das wilde Leben zu brausen, nur nicht hier, in dieser unserer Redaktion. Keine strebsame Hospitantin hat sich jemals dem Feuilletonchef genähert, keine beseelte Schauspiel-Elevin dem Theaterkritiker ihre Aufwartung gemacht. Nichts, aber auch schon gar nichts. Aber lassen wir das. Würgen wir unseren Neid hinunter und behaupten wir steif und fest, daß prinzipiell jeder Beischlaf eine schöne Sache ist. Erstens. Daß, zweitens, auch ein Karriere-Beischlaf immer noch schöner ist als gar kein Beischlaf. Und daß, drittens, Schönheit zwar nicht alles im Leben ist, aber doch eine ganze Menge mehr als nichts.

Daß eine Frau unter Einsatz ihres Leibes Karriere macht, ist vielleicht, rein leistungsmäßig gesehen, nicht ganz in Ordnung. Aber was ist mit den Millionen Männern, die ohne jegliche Schönheit Karriere machen? Deren gänzlicher Mangel an Schönheit nur noch von ihrem vollständigen Mangel an Klugheit übertroffen wird?

Wir vergessen uns. Aber erinnern, wollen wir abschließend doch noch daran, daß schon Urmutter Eva dem Urvater Adam nicht aus reiner Liebe willfährig war, sondern aus gleichsam karrieristischen Gründen. Die Dame wollte sein wie Gott (Herr Adam war hieran weniger interessiert). Die Folgen sind uns allen bekannt.

Wäre es anders gewesen, lägen Sie, lieber Leser, nun nicht mit der ZEIT mißgelaunt im viel zu warmen Daunenbett. Sie lägen im kühlen Paradies, wahrscheinlich unter dem schönsten, saftigsten Apfelbaum. Selbstverständlich nackt. Kurzum: Was Eva tat, war wohlgetan. Finis