Trotz hoher Gewinne agieren die Banken als Vorkämpfer für niedrige Löhne

Von Erika Martens und Udo Perina

Ein bißchen komisch kommen sich die 350 Mitarbeiter der Hamburgischen Landesbank bei ihrem kurzen Protestmarsch durch die Straßen der Hansestadt schon vor. Und als sie nach dem ersten Warnstreik ihres Lebens wieder vor dem Bankgebäude angekommen sind, ist es nicht nur der Nieselregen, der sie zur Rückkehr an den Arbeitsplatz bewegt. Trotzig sind sie zwar den ungewohnten Weg gegangen: „Uns reicht’s“, entrüstet sich ein Sachbearbeiter aus der Kreditabteilung, „so können uns die Arbeitgeber nicht behandeln; wir kennen doch die Lage der Banken.“ Aber: So richtig schädigen will niemand das eigene Haus, weiß Rolf Möller, Sekretär der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV).

Zu Aktionen dieser Art hatte die HBV gemeinsam mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) am Wochenbeginn nicht nur in Hamburg aufgerufen. Auch in vielen anderen westdeutschen Städten liefen ganztägige oder stundenweise Streiks. „Es geht jetzt erst richtig los“, betont DAG-Sprecher Lothar Thormählen. Am Mittwoch forderte die DAG rund 4000 Bankangestellte in fünfzehn Städten zu Arbeitsniederlegungen auf. Die HBV dagegen beschloß am Dienstag, bis Donnerstag abend eine Pause einzulegen, um den Arbeitgebern „Zeit zum Nachdenken“ zu geben.

Beide Arbeitnehmerorganisationen hatten die Tarifverhandlungen für die 430 000 Beschäftigten im westdeutschen Bankgewerbe am 19. Februar für gescheitert erklärt, nachdem ein Sondierungsgespräch keinen Fortschritt erkennen ließ. Die Vertreter der Arbeitgeber waren bei ihrem Angebot von fünf Prozent geblieben; die Gewerkschaften, die ursprünglich 10,5 Prozent verlangt hatten, ließen durchblicken, daß für sie der Abschluß von 6,34 Prozent in der Stahlindustrie, mit dem ein Arbeitskampf in dieser Branche in letzter Minute verhindert werden konnte, ein Orientierungsdatum sein könne. Vorbild für sie ist aber vor allem der Abschluß in der Versicherungsbranche. Dort wurden im Herbst Gehaltserhöhungen um 6,5 Prozent und eine Vorruhestandsregelung vereinbart, alles in allem macht das nach gewerkschaftlicher Rechnung mehr als sieben Prozent. Beide Ergebnisse gelten für Tarifverträge aus dem vergangenen Jahr.

Empört reagierten die Arbeitnehmervertreter auf den Beschluß ihrer Kontrahenten, die Gehälter vom 1. Januar an um fünf Prozent zu erhöhen. Diese „nach Gutsherrenart vorgenommenen Abschlagszahlungen“, so HBV-Verhandlungsführer Georg Stritter, hätten den Beigeschmack von Almosen. DAG-Vorstand Gerhard Renner zürnte, damit werde die Tarifautonomie zur Farce. Beide erklärten, dieses Verhalten stärke die Kampfbereitschaft, auch der unorganisierten Arbeitnehmer.

Hagen Findeisen, DAG-Mitglied und Betriebsratsvorsitzender der Deutschen Bank in Hamburg, schildert die Stimmung denn auch als ausgesprochen gereizt. „Der Stahlindustrie geht es wesentlich schlechter als uns, und wir werden mit fünf Prozent abgespeist.“ Dies sei ein Satz, den er in den letzten Tagen dauernd zu hören bekomme. Sein Fazit: „Bei uns war ja immer