Den Monte Gargano kennt man vielleicht als Badeziel, von der sonderbaren Architektur der trulli von Alberobello hat man einmal gehört und vom mythenumwobenen Castel del Monte des Stauferkönigs Friedrich II. Die anderen Schätze Apuliens aber muten bis heute fremd und geheimnisvoll an.

Birgid Hanke lüftet in dem DuMont Reise-Taschenbuch „Apulien“ (DuMont Buchverlag, Köln 1991; 225 S., 19,80 DM) so manchen Schleier. Denn sie gibt dem Leser nicht nur übersichtlich angeordnetes Faktenwissen zur Hand, sie beschränkt sich nicht nur auf die üblichen Kapitel eines jeden Reiseführers, auf Geographie und Geschichte, auf Kunst und Kultur, auf Städte- und Landschaftsbeschreibung, sondern Birgid Hankes Taschenbuch enthält außerdem eine Fülle von „Exkursen“.

Diese Abweichungen sind die interessantesten Abschnitte. Sie machen den Leser vertraut mit der Gratwanderung der apulischen Frauen zwischen Tradition und Fortschritt, sie berichten über das Giftschiff von Otranto und die Großchemie von Manfredonia, sie erzählen vom gespaltenen Lebensgefühl der heimgekehrten Gastarbeiter, von Kinderarbeit und der Auflösung patriarchalischer Familienclans. Die Lesestücke handeln aber auch von amüsanteren Eigenarten Apuliens, von der Tarantella und dem Corso als Abendritual, von den Wundern des Padre Pio oder von Baris heiligen Nikolaus.

Besonders anschaulich macht die Autorin Apuliens Schicksal unter unentwegt wechselnden Herren – die Dynastienfolge beginnt mit den Griechen und Römern, geht über die Goten und Langobarden zu den Arabern, den Normannen und Staufern bis hin zu den Briganten, die im vorigen Jahrhundert lange und vergeblich gegen die Einverleibung in das junge Königreich Italien kämpften.

Wer sich Apulien fern von Klischees und ohne Scheuklappen nähern möchte, dem wird dieser Führer als einfühlsamer Begleiter ans Herz wichsen. Iso