Von Christa von Bernuth

Um Ihren ersten Roman kursieren jede Menge Gerüchte. Man sagt, es handle sich um eine verkappte Biographie des einstigen Bordellbesitzers Walter Staudinger, und Staudinger selbst habe Sie gegen ein sechsstelliges Honorar beauftragt.

WONDRATSCHEK: Zwischen dem Leben Staudingers und meiner Hauptfigur Johnny Berger gibt es Parallelen, das ist richtig. Was das Honorar betrifft: Schön wär’s. Von solchen Summen träumt ein Autor. Nur ist dieses Gerücht leider völliger Unsinn. Dabei habe ich gar nichts gegen Gerüchte, sie dokumentieren Interesse, Neugier, auch ein Verwundern. Natürlich kann ich mir vorstellen, daß es Journalisten gibt, die meine Beziehung zu diesem Walter Staudinger bis auf die Knochen ausschlachten wollen. Das Zusammentreffen zweier solch verschiedener Menschen regt die Phantasie an. Tatsache ist: Ich wollte an seine Geschichte ran, aber natürlich nicht die Freiheit opfern, mich mit dieser Geschichte frei, künstlerisch unabhängig beschäftigen zu können.

Ohne daß Walter Staudinger Ihnen über die Schulter schaut?

WONDRATSCHEK: Ja. Es war mein Entschluß, diesen Roman so zu schreiben, wie er jetzt gedruckt vorliegt. Wahr allerdings ist, daß ich ihm das fertige Manuskript vorlas – was zwei erstaunliche Tage und Nächte waren.

Vielleicht werden Sie bald eine Verleumdungsklage auf dem Tisch liegen haben. Immerhin schreiben Sie, wie sich ein hochrangiger bayerischer Politiker mit Nackten vergnügt.

WONDRATSCHEK: Wie das Leben so spielt, auch in Romanen. Ich finde die angesprochene Szene lebensecht. In Bayern kennt man seine Politiker.