Von Valentin Thurn

Das Feuer legte der kenianische Präsident Daniel Arap Moi höchstpersönlich. Zwölf Tonnen Elfenbein gingen am 18. Juli 1989 in Rauch und Flammen auf. Mit dieser symbolischen Geste wollte Kenia seine Entschlossenheit zum Kampf gegen die illegale Elefantenjagd demonstrieren. Nur wenige Monate nach dieser ersten Elfenbeinverbrennung, im Oktober 1989, beschloß die internationale Artenschutzkonferenz in Lausanne ein Handelsverbot für den edlen Stoff: Atempause für die bedrohten Dickhäuter.

Jetzt soll der Handel mit dem „weißen Gold“ wieder erlaubt werden – das wollen zumindest Südafrika, Simbabwe, Namibia, Botswana, Sambia und Malawi. In diesen Ländern sind die Elefanten nicht vom Aussterben bedroht – anders als im übrigen Afrika. Im Gegenteil, die Herden haben sich sogar so stark vermehrt, daß sie manche Naturreservate bereits kahlgefressen haben. Schwerer wiegt noch, daß die grauen Kolosse hin und wieder auch großen Schaden auf den Feldern anrichten. Deshalb hat die Regierung von Simbabwe den Abschuß von jährlich rund 5000 Elefanten angeordnet.

Die Stoßzähne dieser Tiere sind Millionen wert, aber sie dürfen nicht verkauft werden. Folge: In Simbabwes Hauptstadt Harare sitzen die Händler auf Bergen von Elfenbein, jährlich kommen zwanzig Tonnen dazu. Auch Südafrika lagen mindestens sieben Tonnen pro Jahr ein – zum Teil aus illegalen Quellen: Aus einem geheimen Lager in Burundi haben südafrikanische Händler kürzlich 20 000 Stoßzähne von gewilderten Elefanten gekauft – sie rechnen damit, daß der Handel wieder erlaubt wird.

Die Entscheidung darüber fällt in der alten japanischen Kaiserstadt Kioto, wo vom 3. bis 12. März die achte Artenschutzkonferenz stattfindet. Kein Zufall: Vor dem internationalen Boykott gingen zehn Prozent des auf dem Weltmarkt gehandelten Elfenbeins nach Japan, wo Namensstempel, Eßstäbchen oder Armreifen daraus geschnitzt wurden. Nach dem Handelsverbot von Lausanne 1989 mußten die japanischen Elfenbeinschnitzer auf Speckstein umsatteln.

Die Konferenz in Kioto ist deshalb so wichtig, weil fast alle Abnehmerländer das Washingtoner Artenschutzabkommen unterzeichnet haben – bekannt unter dem Kürzel CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora); 112 Staaten sind beigetreten. Damit ist CITES die internationale Konvention mit den meisten Mitgliedern.

Doch das hat nichts mit grüner Gesinnung zu tun. Viele Länder haben das Abkommen keineswegs unterzeichnet, um seltene Arten zu schützen, sondern vielmehr, um mit ihnen zu handeln. Denn nur ein kleiner Teil der in der Konvention aufgelisteten Arten ist streng geschützt, die meisten Tiere dürfen mit CITES-Papieren gehandelt werden. Kein Wunder, wenn bei den Artenschutz-Konferenzen die Tierhändler weitaus zahlreicher vertreten sind als die Naturschützer. Kein Wunder auch, daß das CITES-Büro in Lausanne zum Teil aus Spenden der Pelz- und Lederindustrie finanziert wird.