Von Werner A. Perger

Bonn, im Februar

Die Aufgaben eines Führers der stärksten Oppositionsfraktion im Bundestag sind „ungewöhnlich schwierig“, versicherte ein Experte dem neuen Mann der SPD bereits vor drei Monaten in der Haushaltsdebatte. „Man muß alle Mitglieder und alle Strömungen unter einen Hut bringen“, so lautete damals die Job-Beschreibung, die der Bundeskanzler Hans-Ulrich Klose mit auf den Weg gab, und „man muß gleichzeitig versuchen, seine eigene Identität nicht zu verlieren und zu verleugnen“.

Am Ende jenes denkwürdigen Dienstags voriger Woche, der mit Kloses ominösem Pressefrühstück begonnen und mit einer turbulenten Fraktionssitzung der SPD den vorläufigen Tiefpunkt in der gerade 99tägigen Amtszeit Kloses erreicht hatte, erinnerte Helmut Kohl seinen Gast, den gebeutelten Oppositionsführer, an seine Worte. Das sei nun mal ein Knochenjob. Er, Kohl, habe das zwischen 1976 und 1982 fürwahr ausreichend erfahren.

Klose, vom Kanzler zusammen mit Wolfgang Schäuble zum Abendessen gebeten, mag das Mitgefühl seines Gastgebers gar nicht unangenehm gewesen sein: Nach so viel Tadel von den eigenen Freunden tut Verständnis vom politischen Gegner zur Abwechslung ganz gut.

Die Tollen Tage der SPD scheinen nun aber fürs erste vorbei. Kandidatendebatte, Steuerstreit, Klose-Tribunal: Jetzt ist es genug, Zeit für den Aschermittwoch, die allgemeine Ernüchterung.

Seit Ende vergangener Woche sind ältere politische Tugenden angesagt: Sachlichkeit und Solidarität. In Bonn traf sich Klose am Donnerstag zunächst mit seinen vier Stellvertretern, die in keiner der zurückliegenden Auseinandersetzungen in Parteirat und Fraktion auch nur versucht hatten, die Wogen zu glätten, geschweige denn, ihm beizuspringen. So gab es allerhand zu besprechen, und man blieb einander nichts schuldig. Vor der Sachlichkeit dominierten noch einmal die Gefühle.