Auf die Uno-Truppen setzen die Tourismusmanager der neuen Staaten Slowenien und Kroatien all ihre Hoffnungen. Wenn die Blauhelme da sind, soll das Tourismusgeschäft wieder beginnen.

Rund zwanzig Manager aus siebzehn Nationen waren zu einem Touristikertreffen Ende Februar nach Portorož in Slowenien und Rovinj in Kroatien gekommen. Die IFTO (International Federation of Tour Operators), die Dachorganisation der europäischen Reiseveranstalter, hatte sich entschieden, ihr alljährliches Treffen diesmal in den beiden jüngsten Staaten Europas abzuhalten, um auf diese Weise Hilfsbereitschaft und Anteilnahme zu signalisieren.

Mehr als siebzig Prozent des kroatischen Tourismusgeschäfts spielten sich in Istrien, der Kvarner Bucht und den Inseln wie Krk und Rab ab, Gebiete, die von den Kampfhandlungen nicht betroffen waren. Die touristische Infrastruktur ist von Zerstörungen dennoch nicht verschont geblieben. Von den insgesamt 478 kroatischen Hotelanlagen wurden 25 zerstört, verbrannt oder stark beschädigt, hauptsächlich um Dubrovnik und in den Städten Sibenik, Zadar, Resnik und Vodice.

Große Mühe kostet es, das Problem der vorläufig noch in vielen Ferienhotels untergebrachten Flüchtlinge zu lösen. Noch mehr als hunderttausend leben in Kroatien in Hotels, Ende Dezember waren es allein in Poreč über 8000. Inzwischen ist die Zahl auf etwa 6000 gesunken. Bis Ende März sollen die Hotels geräumt sein, damit sie dann spätestens ab Mai wieder für die Urlauber offenstehen können. Reiseerleichterungen – Ausländer benötigen künftig nur den Personalausweis für den Grenzübertritt nach Kroatien – sollen den potentiellen Gast anlocken.

„Es wird schwer sein, den Tourismus hier wieder anzukurbeln“, kommentierte in Rovinj Günther Ihlau, Direktor bei der TUI und IFTO-Vizepräsident. In den besten Jahren, Ende der Achtziger, brachte allein die TUI bis zu 150 000 Reisende nach Jugoslawien, davon rund achtzig Prozent nach Kroatien. Als Grundbedingung für einen erneuten Start in der Zusammenarbeit mit den kroatischen Ferienzentren nennt Ihlau die Unbedenklichkeitserklärung vom Auswärtigen Amt in Bonn für Reisen in diese Region. Noch ist keine Entscheidung im Hause TUI gefallen. Man wartet ab, wie sich die Lage entwickelt, wenn die Uno-Truppen da sind. „Vielleicht können wir dann Anfang März schon mehr sagen“, meint Bernd Rimele von der Pressestelle.

Reisen nach Slowenien sind vom Auswärtigen Amt schon vor sechs Wochen für unbedenklich erklärt worden. Oftmals aber werden die beiden recht unterschiedlichen Staaten als Bestandteile des einstigen Jugoslawiens im Ausland pauschal als Unruhegebiet gesehen. In Deutschland allerdings gelte Slowenien – im Unterschied zu Kroatien – als „stabilisiert“, so Günter Ihlau. Deswegen werde es sich touristisch auch „schnell fangen“. Das kleine Slowenien war nie ein Land für Massentourismus und soll es künftig auch nicht werden.

Janez Pergar, Generaldirektor vom slowenischen Reiseveranstalter Kompas International, sieht die Lage realistisch. Er erwartet für die kommende Saison etwa vierzig Prozent der Gästezahl des Jahres 1990.