Es trifft uns immer. Da haben sie die modernsten, schnellsten, effizientesten elektronischen Kontrollgeräte und die eilfertigsten Beamten, aber wenn wir einmal verreisen wollen, dann windet sich die Schlange vor der Paßkontrolle schier bis zurück zur Eingangstür. Nun ja, wenn wir in die Ferien fliegen, gehört das Anstellen ja gleichsam zur Vorfreude, der Paß, lässig in der Hand gehalten, weist uns als Globetrotter aus. Aber wenn wir auf Dienstreise sind und ohnehin schon auf den letzten Drücker, dann wird das Warten zur nervenzersetzenden Marter. Sieht man uns denn nicht an, daß wir ehrenwerte Geschäftsleute sind?

Neid beschleicht uns, wenn wir nun hören, welche Wohltat da dem fliegenden Holländer angedeiht. Schluß mit dieser institutionalisierten Form der Zeitverschwendung, heißt es nämlich jetzt am Amsterdamer Flughafen Schiphol. Findige Software-Spezialisten haben ein Sesam-öffne-Dich gefunden, das, vorbei an den Paßbeamten, den Zugang zum Gate aufsperrt und so Warteschlangen wegzaubern soll – der „revolutionäre Travel-Pass“ erschließt mijnheer binnen Sekunden den Weg in die Luft.

Nun darf natürlich solch Zaubertrick nicht jedem ordinären Fluggast zugute kommen, denn wenn jeder kann, würden vielleicht ja alle wollen. Nur den Vielflieger, der mindestens fünfmal im Jahr sein Königreich auf dem Luftweg verläßt, wird das neue, wartefreie Angebot beflügeln. Und natürlich hat es seinen Preis. Und was für einen.

Reden wir nicht über die 202 Mark mit 18 Prozent Mehrwertsteuer, die als Maut für den schnellen Weg fällig werden. Das sind doch peanuts für einen, der dauernd in die Luft geht. Mehr an die Substanz rührt das, was der Ungeduldige sonst noch rausrücken muß, um in den Besitz der smart-card zu kommen. Gut, die persönlichen Daten, die sind hundertfach gespeichert von der Krankenkasse bis zum Kreditkartenunternehmen. Aber eins fordert frech der Datenspeicher im Travel-Pass, was auch der gutbescholtene Holländer wohl sonst noch nie freiwillig rausgerückt hat – seinen Fingerabdruck: Die Sperre zum Luftweg öffnet sich dem Eiligen nur, wenn er zuvor zwecks Identifikation seinen Finger auf einen Kontrollpunkt legt.

Ein mutiger Schritt fürwahr, der da getan sein will. Denn obendrein sind auch noch unsichtbare Sperren in das kluge Kärtchen eingebaut. Das nämlich registriert hinterlistigerweise sofort, ob der Däumling alle seine Bußgelder gezahlt hat und auch beim Fiskus nicht in der Kreide steht. Sonst heißt es nicht up, up and away für den, der schleunigst außer Landes will, sondern „hiergeblieben und gezahlt“ und dann wieder hinten angestanden. Das gilt übrigens auch für den, der sich ins eigene Fleisch geschnitten hat.

Siggi Weidemann