Ein Unternehmen, das ebenfalls im Verdacht steht, mit angeblich illegalen Ausfuhren an irakischen Rüstungsprojekten beteiligt gewesen zu sein, hat inzwischen eine Gegenoffensive mit dem Ziel gestartet, aus den Schlagzeilen zu kommen. Die Firma H. und H. Metalform in Drensteinfurt hat in presserechtlichen Gegendarstellungen Berichte zurückgewiesen, sie habe an den Irak Werkzeugmaschinen (Druckmaschinen) geliefert, mit denen auch Urananreicherungsanlagen gebaut werden können. Tatsächlich hat das Unternehmen in den Jahren 1987 bis 1989 in größerem Umfang Fließdrückmaschinen geliefert, die auch nach Erkenntnis des Wirtschaftsministeriums bei der Herstellung von Teilen für Gas-Ultrazentrifugen Verwendung gefunden haben könnten.

Der Export war damals legal, allerdings hat Bonn die Meßlatte für weitere genehmigungsfreie Ausfuhren inzwischen höher gelegt. Mitte 1990 gab es dann weitere ernstzunehmende Hinweise, daß H. und H. sogar eine besondere Schlüsselrolle bei den Bemühungen Iraks um die Technologie für die Gas-Ultrazentrifuge gespielt haben soll. Dem Bonner Wirtschaftsministerium lagen Hinweise vor, daß dem Irak vertraulich eingestufte Angaben über bestimmte deutsche Zentrifugentypen bekannt sind, die möglicherweise über H. und H. Metalform geliefert worden seien. In dieser Sache ermittelt die Staatsanwaltschaft Bielefeld nach wie vor gegen das Unternehmen. In einem wenige Wochen alten UN-Bericht wird die Firma ausdrücklich an erster Stelle einer Liste von Unternehmen genannt, die das Nuklearprogramm des Iraks einschließlich der Urananreicherung unterstützt haben sollen. Die Firma dementierte, daß mit ihren Maschinen Urananreicherungsanlagen gebaut werden können.

Die Beteuerung des Unternehmens, es habe keine Forschungsgelder für die Entwicklung von Fließdrückmaschinen erhalten, die bei der Urananreicherung verwendet werden können, steht dagegen auf eher schwachen Füßen. Nachdem der Abgeordnete Schwanhold diese staatliche Förderung im Plenum des Deutschen Bundestages kritisiert hatte, erklärten die H.-und-H.-Geschäftsführer Dietrich Hinze und Peter Hütten in ihren Gegendarstellungen, sie hätten „keinerlei Fördermittel“ für die Entwicklung von Anreicherungsmaschinen erhalten, denn: „Ein 1989 gestellter Antrag auf Subventionierung der Entwicklung einer neuartigen Drückmaschine wurde bis heute nicht entschieden.“ Dagegen gab der Staatssekretär im Forschungsministerium, Bernd Neumann, dem Abgeordneten Ernst Schwanhold sogar schriftlich, H. und H. habe noch im Jahre 1990 für die „Neuentwicklung einer intelligenten Drückmaschine mit extrem hohen Genauigkeiten“ 21 247 Mark Subventionen erhalten. Neumann bestätigte außerdem, daß die Firma „Fördermittel aus einer weiteren indirekten Förderung im Rahmen der externen Vertragsforschung in Höhe von 89 520 Mark“ erhalten habe, diesen Betrag aber nach Widerruf des Förderbescheids durch das Ministerium zurückgezahlt habe.

Inzwischen geht es für die Firma H. und H. um wesentlich mehr als um die Rückzahlung von Bonner Forschungsgeldern. Die beiden Geschäftsführer des Unternehmens, Dietrich Hinze und Peter Hütten, sind am vergangenen Montag festgenommen worden. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sie hätten zwischen 1988 und 1989 Maschinen für die Fertigung von Raketen und Raketenteilen in den Irak geliefert.

Der Ausgang des Haftprüfungstermins stand kurz vor Redaktionsschluß noch nicht fest.